Fotografen Illuminati
Erst vor kurzem habe ich wieder in einem Forum und in einem Artikel auf einem Blog gelesen das die Profifotografen geheime Tricks hätten und diese gehütet werden wie ein Schatz denn dadurch könnte man super Bilder machen!
Wer solchen Unsinn verzapft hat entweder 1) keine Ahnung oder 2) eine rege Fantasy und dichtet sich hier eine Geheimgesellschaft der Fotografen zusammen wo nur dort die geheimen Super Dupa Tricks weiter gegeben werden. Das blöde an solchen Unwahrheiten ist, das der eine oder andere Anfänger das vielleicht auch noch glaubt.
Die geheimen Tricks
Vergesst das ganz schnell das ist absoluter Blödsinn. Meiner Meinung nach könnten zb. folgende Punkte den Unterschied aus machen:
Harte Arbeit - Die meisten Fotografen erarbeiten sich ihr Wissen über Jahre, das nennen manche dann auch Erfahrung. Wenn der Amateur bzw. Anfänger in der Arbeit ist und vor seinem Schreibtisch oder Fließband sitzt oder steht, Fotografiert der Profifotograf. Wenn du viel Fotografierst und auf 10 Wochen im Jahr kommst - Fotografiert der Profi der damit seinen Lebensunterhalt verdienen muss 45 Wochen. Das alleine sagt schon aus - er Trainiert, Arbeitet 4-5 mal so viel wie der Amateur.
Praxis - Lernst du noch oder Fotografierst du schon? - Wie überall sind Theorie und Praxis zwei Paar Schuhe. Ich kann mir x-mal ein Lernvideo oder ein Turorial ansehen wenn ich es nicht in der Praxis durchackere ist der Lerneffekt gleich null. Wenn ich aber das eben erlernte sofort in die Praxis umsetze und ein bis zweimal durchgehe bleibt es hängen, für immer. Oft auch wird der Standardsatz “Viel Fotografieren - Fotografieren, Fotografieren” - Stimmt, aber nicht planlos in der Gegend herum laufen und alles und jeden Fotografieren und hoffen das ein gutes Bild dabei ist. Das ist Knipsen hat aber meiner Meinung nach nichts mit Fotografieren zu tun. Fotografieren heißt für mich auch mit einer Idee bzw Konzept an das Bild heran zu gehen. Was und Wo und Wie will ich Fotografieren, mit welchem Objektiv, mit Stativ oder ohne usw. somit ist das alles schon keine Spontane Fotografie mehr. Man muss sich immer Entscheiden somit hat man immer schon eine Vorstellung welche Bilder man möchte, man Plant quasi schon im Unterbewusstsein.
Selbstkritik üben - Sei Selbstkritisch zu deinen Bildern und lösche gnadenlos die wo du dir nicht 100% sicher bist das sie gut sind. Wenn du dir dann nach 3 Monaten dein Archiv wieder durch siehst und du dir denkst “Oh mein Gott was habe ich da verbrochen” dann bist du auf einen guten Weg! Lass dir aber auch von sogenannten Bildkritikern und Experten in Foren oder zb. Flickr, Fotocommunities, nicht die Freude an deinen Bildern nehmen. Ob diese eine Ahnung von dem haben was sie da so verzapfen merkst du dann schon nach einer weile, wenn auch deine Erfahrung wächst. Bücher, Bildbände, Museen und Bildausstellungen können nur für die Inspiration sein, um zu sehen wie dieser es umgesetzt hat, aber kopiere niemals die Bildideen, das bringt dich nur kurzfristig weiter, und kopiert wird nur im Copyshop.
Digitale Dunkelkammer - Wenn du zu den Analogen Zeiten auch keine Dunkelkammer gehabt hast und du dich nicht mit dem Thema der Bildbearbeitung auseinandersetzen willst, auch kein Problem, du bist eher der Fotografentyp. Entweder du Fotografierst in JPG-Format und brauchst dadurch deine Bilder auch nicht mehr Digital zu Entwickeln, oder du gehst denn Weg über das RAW-Format und entwickelst deine Bilder mit einem RAW-Konverter deiner Wahl.
Bei beiden Möglichkeiten würde ich dir aber trotzdem eine sagen wir mal so “Standard Bearbeitung” empfehlen. Einige Schritte die du mit jedem Bildbearbeitungsprogramm machen kannst:
- Entrauschen - wenn nötig. d.h wenn du mit hohen ISO werten Fotografierst hast. Entrausche immer am Anfang den sonst bearbeitest du die Rauschartefakte immer mit, und verstärkst diese unter Umständen mit der Bildbearbeitung.
- Überprüfe den Ausschnitt - unter Umständen könnte es für das Bild besser sein zb. um die Bildaussage zu unterstützen, das du einen Bildbeschnitt machen musst.
- Sieh dir dein Histogramm an - Gehe zb. folgende Einstell Möglichkeiten durch: Tonwertkorrektur, Gradiationskurven, Helligkeit+Kontrast, Sättigung und ändere diese bei bedarf und gefallen.
- SW-Bild - Sieh dir dein Bild immer mal im Schwarz Weiß Modus, vielleicht kommt es in SW besser.
- Verkleinern - Verkleinere dein Bild auf das gewünschte Ausgabeformat zb. für den Druck oder das Internet.
- Schärfen - Schärfe dein Bild immer zum Schluss.
Im Prinzip kannst du die oben genannten Bearbeitungsschritte in 5 Minuten erledigen, und hast somit das Bild eventuell aufgewertet.
Und jetzt wird es endlich Zeit für den sehnlichst erwarteten Ultimativen Tipp:
SPASS - Habe Spass beim Fotografieren.
Wenn du Spass am Fotografieren selbst hast, dann ist Plötzlich alles andere, zb. die Technik, welche Ausrüstung du hast, nicht mehr so wichtig. Wir alle kaufen uns eine Kamera und ein Objektiv um damit zu Fotografieren, und warum zum Teufel genießen wir diesen Moment nicht viel mehr. Also in diesem Sinne - Have Fun.
Wenn du dir diesen Artikel schon bis hierher durchgelesen hast, gibt es zwei Möglichkeiten:
- Du liest dir immer alles komplett durch und die Überschrift hat dich Neugierig gemacht.
- Dieses Thema betrifft dich auch und du hast dazu auch schon deine eigene Erfahrung gemacht.
Gib deinen Senf dazu ab, in den Kommentaren, ich bin gespannt wie ein Bogen.
5 Kommentare ↓
wow, super Artikel! Einige Punkte kann ich voll und ganz nachvollziehen… zum Beispiel “aber nicht planlos in der Gegend herum laufen und alles und jeden Fotografieren und hoffen das ein gutes Bild dabei ist.” - Ich lief lange Zeit planlos durch die Gegend um machte wahllos Fotos von allem. Da muss jeder mal durch, denke ich.
In der Zwischenzeit laufe ich schon gezielter auf der Suche nach schönen Motiven in der Gegend herum und lasse mir beim “knipsen” mehr Zeit. Dann macht fotografieren automatisch auch mehr Spass, da der Lerneffekt höher ist und die Ergebnisse besser werden. 
Olli, habe mir gerade einige deiner Bilder angesehen, man merkt auch an deinen Bildern das du Spass daran hast und überlegt an die Sache gehst.
Ich sehe mich zwar noch lange nicht als guten Fotografen, da ich leider auch eine lange Pause einlegen musste, aber Deine oben genannten Tipps/Erfahrungen kenne ich schon sehr gut.
Freu mich schon aufs Semesterende. Dann heißt es “fotografieren, fotografieren”
[…] habe ich heute einen interessanten Artikel in einem Blog gelesen. Zoomyboy wiederlegt dort die im Umlauf befindlichen Verschwörungstheorien, wonach gute Fotografen angeblich mit geheimen Tricks arbeiten, um ihre Ergebnisse zu liefern. Ich […]
Es ist immer spannend, wenn etwas mystisch und nicht erklärbar erscheint.
Bestes Beispiel “Der Zauberer”.
Aber liebe Leute…es wird überall mit Wasser gekocht…
In der Fotografie wird gerne die Foodfotografie mystifiziert. Warum?
Fototechnik und Gestaltungsgrundlagen können gelernt werden…kochen auch.
In folgenden Blog werden Foodfoto-Tipps verraten:
http://www.camera-me.com
Rede mit und schreibe einen Kommentar