Tamron SP 90mm F/2.8 Di VC USD MACRO VS Canon EF 100mm 2.8 L Makro IS USM

Anfang September hat mich Tamron gefragt ob ich nicht für sie einige Makro-Beispielbilder (Zu finden hier) mit ihrem neuen, und noch nicht veröffentlichten 90mm Makroobjektiv machen möchte. Natürlich sagte ich zu, und habe dann das Tamron SP 90mm F/2.8 Di VC USD MACRO 1:1 gleich in der Makrofotografie eingesetzt.
Da ich schon alle legendären Vorgänger der 90er Tamron Makroobjektive hatte/habe ich mich ganz besonders gefreut, dass ich als einer der ersten in Europa, mit diesem Objektiv schon fotografieren konnte. Nun also möchte ich euch meine Erfahrungen und meine Meinung über das SP 90mm F/2.8 Di VC USD MACRO 1:1 erzählen.
Tamron SP 90mm 2.8 Di Macro 1:1 VC USD

Geschwindigkeit
Beide Objektive besitzen einen Ultraschallantrieb und sind für Makroobjektive sehr schnell und leise. Ob es hier Unterschiede gibt, kann ich echt nicht sagen, wenn es überhaupt unterscheide, in der Fokussiergeschwindigkeit gibt, so dürften diese im Bereich eines Wimpernschlages sein.
Überspitzt formuliert heißt das für uns Makrofotografen, beide sind gleich schnell und gleich leise und fokussieren schneller als wir manuell scharf stellen können.

Haptik-Verarbeitung
Hier legt das Canon mächtig vor, es ist sehr gut Verarbeitet, obwohl es meiner Meinung nach nicht ganz an das alte 100er ran kommt. Das alte 90er Tamron hatte das etwas das nachsehen, das neue aber ist auf Augenhöhe mit dem Canon.
Es greift sich sehr wertig an, alles läuft geschmeidig und Butterweich. Was mir beim Tamron noch einen Tick besser gefällt, ist der breitere Scharfstellring. Der ist mir beim Canon etwas zu schmal. Tamron hat dies ja schon beim 60er Makroobjektiv sehr schön hinbekommen, den Scharfstellring Verhältnismassig sehr breit zu machen. Denn letztendlich fotografieren wir Makrofotografen, fast alles ohne Autofokus. (zu mindestens mit denen ich unterwegs bin)
Leider hat Tamron dem 90er wieder einmal keine Stativschelle spendiert!! Aber naja die anderen, außer Canon, bekommen das ja auch nicht hin.

Tamron SP 90mm 2.8 Di Macro 1:1 VC USD 2

Tamron SP 90mm 2.8 Di Macro 1:1 VC USD 3

Tamron Makroobjektive History und eine Anregung
Tamron hat schon sehr früh mit ihren Objektiven für die Makrofotografie für aufsehen gesorgt. Angefangen hat alles mit dem 90mm SP für das Adaptall System, das zu dieser Zeit, das kompakteste 90er mit 2.5 war und schon damals zum fast halben Preis wie die Kamerahersteller, mit diesen optisch auf gleicher Höhe war. Dieses Makroobjektiv ist heute ein absoluter Geheimtipp, naja obwohl jetzt dürften es auch schon einige mitbekommen haben, das dieses Objektiv in Kombination mit dem genialen Adaptall-System, einfach eine absolute Kaufempfehlung ist.

Als dann die Autofokus Zeit kam, konstruierte Tamron ein komplett neues 90er Makroobjektiv, das 90mm 2.8 SP. Mit einer neuen Rechnung aufwändigeren Gläsern und Vergütungen, wurde es schnell wieder eines der meist empfohlenen Makroobjektive in diesem Brennweitenbereich.

Tamron hat dieses Makroobjektiv über die Jahre hinweg , immer wieder leicht überarbeitet und verbessert. Das Gehäuse jedoch blieb fast immer gleich.
Konnten oder wollten sich angehende Makrofotografen die teuren Originalobjektive der Kamerahersteller nicht leisten, griffen viele zu den Fremdherstellern. Und das Tamron war hier immer eine sichere Bank, es war optisch Top, das Bokeh war besser als das vom 105er von Sigma und es war halt auch immer preislich sehr interessant. Darum wurde in der Makrofotografie-Szene auch immer öfters das 90er von Tamron gekauft bzw. weiter empfohlen, als andere Makroobjektive von Fremherstellern.

Ein Wunsch an Tamron: Überarbeitet schnellstens das 180er Makroobjektiv, das Ding ist optisch sehr gut, aber Haptisch kann es leider nicht mit den anderen mithalten. Speziell wenn es um extreme Beanspruchung geht.
Und lasst den Brennweitenbereich zwischen 90mm und 180mm nicht aus den Augen, hier gibt es noch einige an Potenzial, siehe das sehr erfolgreiche Sigma 150mm, denn speziell durch den hohen Anteil an Cropkameras ist auch dieser Zwischen-Brennweitenbereich sehr interessant für uns Makrofotografen!
Und von einem richtigen Makro-Zoom-Objektiv (wie damals das Nikon 70-180mm) trauen wir uns ja gar nicht zu träumen!

Tamron SP 90mm 2.8 Di Macro 1:1 VC USD 4

Tamron SP 90mm 2.8 Di Macro 1:1 VC USD 5

Optische Leistung
Bevor ich diesbezüglich Anfange, ein paar Wörter dazu: Wir bewegen uns in dieser Preisklasse in der absoluten Oberklasse. Denn von 400.- bis 1600.- gibt es aktuell Makroobjektive in diesem Brennweitenbereich. Und alle sind Optisch sehr gut, die Unterschiede im Optischen Bereich sind in der Praxis, zu suchen und oft auch nicht zu finden.
Durch meine Jahrelange Erfahrung in der Makrofotografie weiß ich auch ziemlich genau bei welchen Motiv- bzw. Lichtsituationen sich die Objektive schwer tun und wo sie glänzen können.
Wenn ich hin dann und wieder zwei Objektive miteinander vergleiche, gibt es bei immer den gleichen banalen Testaufbau. Für den Schärfe/Mikrokontrastvergleich: Kamera auf Stativ, Spiegelvorauslösung, Kabelauslöser, ISO 200, M, RAW/JPG, Gemischtes Motiv (zb. Buchregal), Blende 2.8 bis 11 und Auslösen.
Für den Bokehvergleich: Ziemlich gleich wie oben, nur mir dem Unterschied, das ich mich da im Abbildungsmaßstab von 1:2 bzw. 1:3 befinde und auf ein kleines Motiv scharf stelle.

Diese Testaufnahmen vergleiche ich dann bis max. 50% Vergrößerung miteinander.

Das Tamron hat mich bezüglich der Schärfe und des Bokeh doch überrascht. Klar das alte 90er war schon ein Rasiermesserscharfes Teil, aber das neue 90er legt noch eines drauf. Die Schärfe ist schon bei f 4.0 sehr hoch.

tamron schärfe

Kurze Anekdote dazu: Ich habe ja mit diesem Makroobjektiv für Tamron einige Beispielbilder fotografiert. Eines davon zeigte ein Messer mit Wassertropfen darauf. Als sie dann beim Originalbild auf 100% vergrößerten, waren sie so ziemlich aus dem Häuschen, was sich da Schärfemässig abspielt.

Das mit dem Bokeh ist immer so eine Sache, wenn das Objektiv genug Blendenlamellen hat (oder diese elektronisch gesteuert werden), dann bleiben die Kreise auch bei etwas weiter geschlossener Blende rund, und die Übergänge bzw. Ränder im Hintergrund verlaufen dann auch etwas harmonischer.
Aber abgesehen davon, hat die Sache mit dem “schönen Bokeh” auch immer etwas mit dem persönlichen Geschmack zu tun.
Das Canon hat ein hervorragendes Bokeh, und ist hier in diesem Brennweitenbereich auf der Canon Seite die Nr.1. Bis jetzt.

Tamron SP 90mm 2.8 Di Macro 1:1 VC USD Canon EF 100mm 2.8 L Makro IS USM

Tamron SP 90mm 2.8 Di Macro 1:1 VC USD Canon EF 100mm 2.8 L Makro IS USM 2

Ich habe diesbezüglich nicht nur meine Testaufnahmen verglichen, sondern ich konnte auch in der Praxis, in der Makrofotografie draußen in der Natur, diese beiden Boliden miteinander vergleichen.
Und ich kann es drehen und wenden wie ich will, das neue Tamron gefällt mit vom Bokeh her noch besser als das 100 L von Canon. Ja ich kann es selbst nicht glauben, es ist aber so. Dazu muss ich euch noch erzählen, das das 100 L von Canon bei den Makrofotografen einen sehr guten Ruf hat, und da als das Optimum, in diesem Brennweitenbereich, angesehen wird. Als Ambitionierter/Profi Canon Makro- bzw. Naturfotograf gehört das 100 L einfach in die Fototasche.

Diese beiden Hochleistungs-Makroobjektive sind sich sehr ähnlich, mal liegt das eine vorne und mal das andere.
Das Tamron Bokeh ist einfach traumhaft, als ich die ersten Schmetterlings- und Pflanzenbilder zu hause am Bildschirm gesehen habe, dachte ich mir nur einfach: Wow! Dazu noch die sehr gute Schärfe, kombiniert mit der angenehmen Haptik und Verarbeitung. Ist das neue 90mm Makroobjektive von Tamron, für mich der Sieger. Das Tamron bleibt und das Canon muss gehen (es ist bereits verkauft). Für mich eine einfache Entscheidung.

Mein Fazit: Kaufen. Tamron hat das gute noch besser gemacht. Bravo.

Ps: Wie es bei meinen Praxistests immer üblich ist, werde ich nach einigen Monaten wieder mal meine Erfahrungen und Eindrücke zum Tamron veröffentlichen.

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14 Gedanken zu „Tamron SP 90mm F/2.8 Di VC USD MACRO VS Canon EF 100mm 2.8 L Makro IS USM“

  1. Sehr schoener Praxistest – wieder einmal :)

    Also ich muss sagen, dass die neuen Tamron Objektive sehr sehr gut geworden sind scheinbar, was dein Praxistest auch bestaetigt.

    Ich persoenlich spitze momentan eher auf das 70-200/2.8 von Tamron, da ich das Canon 100L/2.8 schon habe 😉

  2. Soso, Du hast schon für Tamron fotografiert? Kein Wunder vielleicht, dass dieser Test so positiv ausfällt. 😉

    Ich glaube nie und nimmer, dass das Tamron besser als das Canon Objektiv ist.

    So berauschend finde ich die Bildbeispiele nicht. Das Canon Macro kann das echt besser!

  3. Hallo,

    ab wann soll das Objektiv denn erhältlich sein und steht schon fest, zu welchem Preis? Diese Punkte fehlen mir noch im Teet, ansonsten super!

    Danke!

  4. Hallo, der Test erscheint mir in keiner Weise von Tamron beeinflusst, sondern eine sehr gute und neutrale Gegenüberstellung der 2 künftig führenden Makro-Objektive.
    Es bleibt nur zu hoffen, dass die Serienstreuung nicht so groß ist, aber dies dürfte bei einer Festbrennweite besser machbar zu sein, dies war ja das einzige Problem mit dem ebenfalls sehr guten neuen Tamron SP VC 24-70mm f/2.8
    Mir fällt sofort auf, dass die Frontlinse des Tamron etwas größer ist wie beim Canon EF 100mm f/2.8L IS USM Macro, dies ist bereits eine gute Voraussetzung für Top-Bildergebnisse.
    Tamron bringt zur Zeit auf jeden Fall echt starke Linsen, ich werde zuschlagen sobald der Preis noch etwas runter geht.
    Freundliche Grüße

  5. Hallo,
    und ich habe mal wieder das Nachsehen, als Pentax-Besitzer. So bleibt mir mein 2.5 90-er von Tamron und das 70-er von Sigma. Die Schärfe scheint mir wirklich sehr gut zu sein. Auch bei F2.8? Bokeh und Kontrast sind auf der Höhe der Zeit und darüber. Aber was ich gesehen habe ist nicht unbedingt beeindruckender als Aufnahmen mit dem Sigma 70mm F2,8. Das ist gerade bei 2.8 auf dem Niveau eines Zeiss. Und das Vorgängermodell von diesem Tamron war mir bei 2.8 zu flau, aber da gibt es anscheinen eine gewisse Streuung. Naja, 70mm sind bei Insekten und Tieren nicht wirklich gut. Also warten und hoffen, dass Tamron ein Einsehen mit uns Pentaxianern hat. Und JA, dieser Teat ist objektiv und nicht voreingenommen.
    Gruß Edu

  6. Interessanter Test. Doch da ich schon das Canon Macro habe würde mich ein Vergleich der 70-200er Klasse interessieren. Brauch ich als Hobbyfotograf wirklich das (sicher sehr gute) Canon oder reicht auch das Tamron oder reicht sogar das Sigma? Ich habe mir in den letzten Tagen eine Menge Test im www angesehen und bin nunr etwas verunsichert. Gut sollen alle diese neuen 70-200er F2.8 sein, doch welches soll ich nehmen??? Es gibt da ja auch ziemliche große Preisunterschiede.

  7. Hallo Zoomyboy
    Ich habe gerade mit viel Aufmerksamkeit deinen Vergleich gelesen. Du hast das Tamron mit der 5 MarkII getestet, wie verhält es sich mit einem APS-C Sensor z.B. mit der 7D. Sie ist ja bekannt dass sie gerne etwas anspruchsvollere Gläser bevorzugt. Kann da das Tamron auch mithalten? Wenn ich den Preisunterschied betrachte, der ist doch recht hoch, das Tamron ist $300 günstiger.
    Mit Spannung erwarte ich deine Antwort.
    VG Douglas

  8. Hallo zusammen,
    ich habe mir das neue Tamron Makro 90 mm USD DI gekauft und kann nur den Kurztest bestätigen in vollem Umfang,es ist gigantisch gut,ich benutze es an der 5D Mark III und an der II und bin VIEL zufriedener wie mit dem Canon 100 mm (ohne IS)
    viel schneller im AF wie das Canon,lautlos und schärfenmäßig eine neue Welt.
    Farblich und im Bokeh erstklassik………………….und ich bin ansonsten kein Fremdobjektivanhänger,also ich wurde nicht von Tamron bezahlt,das mal vorab 😉
    Jedenfalls hat Tamron es geschafft,seinen Vorgänger NOCH besser zu fabrizieren,da will was heißen in der heutigen Zeit.
    lg HP

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