redblack bug
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Schwierige Motivsituationen in der Makrofotografie

In der Makrofotografie und speziell dann wenn man sich so wie ich, wirklich Mühe gibt dem Bild eine gute Bildkomposition zu geben, gibt es immer wieder mal Bilder, die auf den ersten Blick leicht zu fotografieren scheinen, die sich dann aber doch, bei einer genaueren Betrachtung als extrem Herausforderung zeigen.

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Das Motiv ist ein Rot-Schwarzer Käfer, der ziemlich ruhig auf einem Blatt sitzt. Die Aufgabe, die ich zu bewältigen hatte, war folgende:

  • Der Käfer selbst sollte ziemlich nahe dem Goldenen Schnitt positioniert werden. In diesem Beispiel eher im unteren Bilddrittel.
  • Der Käfer sollte in die linke Bildhälfte schauen und so das Bild nach Links öffnen und dadurch dem Bildbetrachter Raum für Entdeckungen geben.
  • Ich wollte das abgeknickte Blatt, wo der Käfer selbst saß, in die untere rechte Bildecke auslaufen lassen.
  • Etwa ein Zentimeter hinter dem Motiv und links im Bild, war ein Grashalm, den wollte ich auf keinen Fall anschneiden, und eher so im Bild positionieren, dass er an die rechte obere Bildecke angrenzt.
  • Rechts unten hatte ich noch ein breites Blatt das Ich eventuell als Abgrenzer und so vielleicht als Rahmen in der Ecke, in die Bildkomposition einbauen könnte.

Gut, das hatte ich mir also als Aufgabe und als Bildkonzept für dieses Bild vorgestellt! Das hört sich vielleicht für den einen oder anderen Leser als furchtbar kompliziert und viel zu aufwendig an. Und manche mögen vielleicht auch denken, das ich hier furchtbar übertreibe.

In Wirklichkeit ist es so, das solche Überlegungen wie man so ein Bild umsetzen könnte, in Sekundenbruchteilen geschehen. Es ist einfach in Fleisch und Blut übergegangen, ja ich möchte fast schon sagen, es ist bei mir ein gewisser Automatismus. Oft wähle ich schon fast intuitiv die richtige Position mit der Kamera. Und trotzdem werde ich von der Situation oft besiegt und ziehe ohne ein Bild von dannen.

Man kann das Lernen und irgendwann geht es dann von alleine. Nur man muss sich schon etwas Mühe geben und wenigstens etwas mit der Materie (Fotografie) auseinandersetzen. Denn genau das ist dann der Unterschied zwischen Knipser und richtigen Fotografieren. Der Knipser hat vielleicht unter 1000 Bildern eines dabei, aber derjenige der sich mit dem Motiv (unterstützt durch sein Basiswissen) auseinandersetzt, kann das beliebig oft wiederholen, denn spätestens dann gehören die Kardinalfehler der Bildkomposition der Vergangenheit an.
Das Bild oben ist eine perfekte Umsetzung der Vorstellungen, die ich mir dann selbst als Aufgabe gestellt habe. Für den neutralen Leser, der dieses Bild betrachtet, mag es vielleicht ein durchschnittliches Makrobild sein und ganz sicher wird es auch unter den Maßen der anderen Bildern zb. bei Flickr einfach untergehen.

Es ist mir auch egal ob dieses Bild nun gefällt oder nicht. Denn hier ging es mir eher darum, eine knifflige Motivsituation mit meinem Vorgaben fotografisch vor Ort, zu lösen. Denn das macht mir einfach riesen Spaß!

7 Kommentare

  1. Deine Ausführungen zur Erstellung des Fotos finde ich echt interessant. So viele Gedanken habe ich mir noch nicht gemacht – das muss ich mal ändern.

    Scheinbar hat der Käfer beim Punkt 2 mitgespielt oder haste ihn etwas beeinflusst. ;-)

  2. EIn Perfektes Foto entsteht immer Spontan ! :) Insekten zu Fotografieren sollte man immer morgens so ca. 5.30 od. Abends gegen 20.00 wenn die Insekten einen Unterschlupf suchen. Was mir bei dir (Zoomboy) auffält, dass das zu fotografierende Insekt, viel! zu klein abgebildet wird bzw. in das Bild verloren geht. Das Motiv, bzw. das Insekt sollte ungefähr 35-50% des Bildes abdecken, somit lässt sich das Motiv im Detail gut erkennen http://www.flickr.com/photos/22546163@N03/5734657438/in/photostream

    Grüsse

    • In meiner Makrofotografie geht es nicht darum eine Artenbestimmung durchzuführen, auch daran zu erkennen das ich nie den Namen des Insekt dazu schreibe.
      Ich habe bei mir eher den Künstlerischen Anspruch, ob jetzt eben ein Insekt oder Blüte zu sehen ist, ist mir eigentlich egal, es geht immer nur um das Bild im ganzen.

  3. Roger

    Bei mir geht das Komponieren leider noch nicht in Sekundenbruchteilen und im muss mir eine solche formale Aufgabe bewusst überlegen. Was hat Sie dazu bewegt, bei diesem Motiv genau diese Anforderung zu Ihrer Aufgabe zu machen?

    • gama

      @siegfried: “… Insekt sollte 35% groß sein …” Das gibt ein ganz anderes Bild, welches das Insekt zeigt. Bei diesem Foto ist’s völlig egal, welches Insekt so lange die Farbe stimmt, das Bild in der ganzen Fläche wirkt wegen seiner top gelungenen Gestaltung.
      Das Foto gefällt mir natürlich spontan – dann habe ich mir überlegt warum:
      Käfer rot, schwarz = Blickfang, er schaut nach links, ich folge mit dem Blick. Der Halm auf dem er sitzt hilft mir dabei. Genial, dass gerade hier noch scharfe Härchen auf dem Blatt sind. Ich landen bei der Ähre. Super dass die nicht ganz scharf ist und somit dem Käfer nicht die Show stiehlt (nicht gleichwertig konkurriert). Ganz feine Sache, dass sich Blattlinien unter dem Käfer links, unten im begrenzenden Blattausschnitt wiederholen – gerade dort auch scharf! So wird da jetzt eine Dreiecks-Komposition d’raus in der das Auge gemütlich umherwandern kann. – Schöner Kontrast, der ganz cremige Hintergrund gegen die scharfen Blattadern. Das alles im Grün, Farbkontrast zusätzlich wäre zu viel und nicht gut. Den Käfer sollte man allerdings nicht grün einkleiden, hier braucht’s natürlich den Farbkontrast, damit er gleich als Hauptblickpunkt ins Auge springt.
      Wenn’s mein Foto wäre:
      Würde ich auf der rechten Seite einen schmalen Streifen abschneiden, bis es gefühlsmäßig optimal passt. Dass die Blattkante dann nicht mehr genau ins Eck läuft stört nicht. Ein paar kleine Blitzer würde ich noch überstempeln (zwei Härchen an der Unterseite des Käferblattes, …) Dann würde ich noch probieren ob eine Vignette rechts oben – dezent, mehr erahnbar als sichtbar, zu einem noch harmonischeren Ganzen führt. – Der Fotograf vergaß bei der Aufnahme den Käfer von rechts unten ganz dezent mit einem schwachen Spot aufzuhellen oder hatte gerade keinen Assistenten dabei. ;)
      Für mich ein Wow-Foto, bestens geeignet Bildkomposition zu demonstrieren!
      - Warum ich hier so viel blubbre? – Weil ich mir wieder selbst Appetit machen will etwas Aufwand für Fotos zu betreiben, mit denen ich dann auch zufrieden bin. – Und als Danke an den Fotografen.

      Freue mich schon auf die anderen Fotos hier!
      Danke Mannfred!

      §:¬) martin

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