Fragwürdige Methoden in der Makrofotografie

Über den Eingriff in die Natur bzw. in die Tierwelt als Naturfotograf, wurde schon vor Jahren hitzigst diskutiert. Man darf sich hier keiner Illusion hingeben, bei fast jedem Bild zb. eines Greifvogel egal ob für TV/Film oder eben Fotografie, wird das Tier über einen längeren Zeitraum mit Beute (Nahrung) angelockt.

Denn bereits 1-2 Wochen vorher werden zb. Greifvögel mit sogenannten Ludern angelockt und so, auf den fotogenen Platz gewöhnt. Das Filmteam bzw. der Fotograf, hat dann die Möglichkeit mit viel Geduld schöne Bilder mit idealen Hintergrund zu produzieren.

Und genau hier gehen dann die Meinungen weit auseinander, die einen halten das für unsensibel, unsportlich und auch für die Tiere gefährlich, die anderen haben damit kein Problem.

In der Makrofotografie ist es ähnlich. Denn auch hier gibt seit Urzeiten unterschiedliche und manchmal auch fragwürdiger Methoden um zb. Insekten fotogen vor der Kamera zu positionieren.

Ich will hier gar nicht alles Aufzählen, mit welchen Mitteln sich manche Makrofotografen hier behelfen, denn sonst verleitet das eventuell noch denn einen oder anderen Einsteiger! Vom Haarspray, Vereisungsspray bis zum Anlocken mit Honig, Sirup uvm., ist alles dabei.
Aber anfangen tut es mit dem versetzen des Marienkäfers auf die Blüte, er kommt da zwar nicht zu schaden, aber aus seinem normalen verhalten her, würde sich der Marienkäfer niemals genau so auf die Blüte setzen! Der Makrofotograf der es tut, denkt sich aber; es sieht aber doch so fotogen aus; und tut es einfach.

Sofern nicht das Bildbearbeitungsprogramm daran beteiligt ist, frage ich mich bei manchen Makrobildern die mir so bei Flickr unterkommen, speziell, wenn Insekten darauf zu sehen sind, ob der Fotograf da noch weis was er tut, und was er hier eigentlich den Insekten da antut!?

Ich will hier auch nicht, die Moralkeule auspacken und hier auf Naturschützer machen, der ich auch gar nicht sein kann. Meine Einstellung zu diesen Methoden und zur Naturfotografie im Allgemeinen ist im Prinzip ganz einfach:

  1. Verlasse die Natur so, wie du sie vorgefunden hast.
  2. Die Tierwelt soll nicht zu schaden kommen, auch Insekten.
  3. Akzeptiere Natur- und Tierschutzgebiete und deren Regeln.
  4. Bleib bei der Wahrheit, und verkaufe nicht ein Rot als Schwarz.

Der eine findet es schon als schweren eingriff in die ehrliche Makrofotografie, wenn man nur einen Ast auf die Seite biegt, und der andere hat mit dem Anlocken und dem Positionieren der Insekten überhaupt kein Problem. Die Grenzen verschwimmen hier und einige Methoden liegen in einem Graubereich.

Wie auch immer, es muss wohl jeder für sich selbst die Art finden, wie er mit unserer Pflanzen und Tierwelt in der Naturfotografie umgeht. Ich denke das ist, wie so oft eine reine Kopfsache!

11 Gedanken zu „Fragwürdige Methoden in der Makrofotografie“

  1. Schwierig, denke ich. Ich persönlich mache keine gezielte Makrofotografie. Nur mal wenn sich die Gelegenheit ergibt.

    Mit anlocken hätte ich keine Probleme, ich glaube auch nicht mit dem umsetzten solange das Insekt etc. dabei nicht zu schaden kommt. Sprays, ist schon der Hammer. Wenn ich das sehen würde würde ich wohl ausflippen. Punkt 1-3 sollte selbstverständlich sein. Punkt 4 ist mir ein bisschen zu schwammig in der Fotografie :)

    Diese Makro hier ist zum Beispiel komplett aus der Situation heraus entstanden, ich wäre ehrlich gesagt froh gewesen wenn es dort nicht so viele penetrante Wespen gegeben hätte 😉
    http://bit.ly/colawespe

    1. Danke Marc für deinen Kommentar. Was ich mit Punkt 4 meine ist: Man sollte nicht zb. einen Marienkäfer der auf einer Löwenzahn-Schirmflieger durch die Gegend fliegt und dann unter dem Bild schreibt, das das so war!- Gesehen bei Flickr oder bei 1x.com. 😉

  2. Danke für diesen Artikel, auch ich finde die Methoden mancher Makrofotografen mehr als nur fraglich. Einen Marienkäfer zu versetzen (ohne diesen zu verletzen) könnte ich mir noch vorstellen, jegliches weitere Eingreifen ist jedoch nichts für mich.

  3. Schön, dass du diese Sache mal thematisierst. Ich liebe die Natur und versuche mich auch dort so zu bewegen. Das gilt auch für das Fotografieren. Es gibt so viele schöne Motive, die nicht gestellt sind, warum sollte man da nachhelfen? Wer bei solch kleinen Dingen schon trickst, der machte das vielleicht auch bei größeren. Die Wahrhaftigkeit bleibt auf der Strecke.
    Ich gehe gerne auf die Jagd nach dem schönen Makromotiv, aber nicht um jeden Preis.

  4. Gebe Dir vollkommen Recht; entweder, ich habe das Glück, das Foto so zu schiessen wie es sein soll oder ich lasse es. Anfüttern und locken gibts bei mir nicht. Das ist für mich unsportlich.

  5. Interessantes Thema, schade das nicht mehr Leute sich geäußert haben. Ich denke auch, dass Respekt in der Naturfotografie ganz groß geschrieben sein sollte. Im gewissen Sinne manipuliere ich auch bei meinen Bildern. Ich biege Grashalme zur Seite, reiße auch gern mal einen ab der ein perfektes Bild kaputt macht, weil er dominant im HG zu sehen ist. Aber das war es auch schon. Bereits bei Tiere versetzen hätte ich ein Problem, schlicht und einfach weil ich die Insekten nicht verletzen möchte. So wie sie sitzen, so sitzen sie halt mal. Meine Arbeit dabei ist es, das Beste aus der Situation raus zu holen. Darin besteht schließlich die Kunst. Ein Schmetterling der perfekt platziert ist, ist ja keiner Herausforderung. :-)

    http://www.alexander-kulla.de/blog/2011/06/bewegte-bilder-vom-blauling/

  6. Man kann es auf beiden Seiten uebertreiben, bei den Vorschriften und beim Behandeln der Insekten.
    Am besten wird es wohl sein, wenn die deutschen Makrofotografen mit den Gruenen,
    ein Makrofotografie-Gesetz herausbringen, das alles genaustens regelt.
    Warum sollte die Gesetzesflut und der kommunistische Grundgedanke nicht auch noch
    den Makrobereich durch detailierte Verbote ueberschatten.
    Am besten noch alle mit gleicher Kamera und gleichem Objektiv und unter Aufsicht.

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