Hohe ISO, Qualität der Objektive und die Details

Heutzutage wird von neuen Digitalkameras erwartet das Sie immer höhere ISO-Zahlen ohne zu Rauschen beherrschen. Aktuell erwarten sich viele von der Nikon D7000 und der Canon 60D das diese zb. bei ISO 6400 noch halbwegs rauschfrei sind! Hier wird ja gerne immer wieder das Argument gebracht besser ein Bild mit ISO 6400 als gar kein Bild. Das stimmt schon, aber ich denke hier wird einiges vergessen.

Die Qualität der Objektive

Die Konsumenten erwarten von den Objektiven, dass sie scharf sind, dass der Mikrokontrast hoch ist usw. Diese Objektive werden auch meistens mit sehr niedrigen ISO Zahlen in den einschlägigen Magazinen und Webseiten getestet. Nehmen wir hier als Beispiel ein wahrscheinlich beliebtes Objektiv, das Canon EF 50mm F1.8.

Dieses Objektiv hat seine beste optische Leistung (von der Mitte bis zum Rand lt. Dpreview) bei Blende 8. Dh. gehen wir nach diesem Test, dann kann man ohne Bedenken Blende 8, 5.6 und mit beiden Augen zugedrückt noch Blende 4 verwenden, wenn man eben die beste optische Leistung dieses Objektives verwenden möchte.

Die hohen ISO Werte

Nehmen wir zb. einen ISO Wert von 3200, bei einer so hohen ISO Einstellung bleibt von den oben genannten Details, sprich schärfe und Mikrokontrast, nichts mehr übrig. Hier mal ein Vergleich von ISO 200 und ISO 3200, fotografiert mit meiner Lumix G2 und dem extrem starken Makroobjektiv Tokina 90mm 2.5 bei Blende 5.6, bei schlechten Lichtverhältnissen und mit Kabelauslöser im manuellen Modus.

vergleich schärfe und mikrokontrast bei iso200 und iso3200 100% crop - klick macht groß!

Sicher meine G2 rauscht sicher weitaus stärker bei ISO 3200 als andere Kameras, zb. APS-C und Vollformat werden hier weitaus bessere Ergebnisse bei ISO 3200 erzielen können. Aber ich denke man kann sich trotzdem an diesen Beispiel schon ziemlich gut vorstellen, wie viele Details bei hohen ISO Werten eigentlich verloren gehen! Hier kann auch keine Software mehr helfen, denn wo keine Details vorhanden sind, kann auch nichts mehr herausgeholt werden!

Und jetzt stellt euch mal folgende Situation vor:

Ihr möchtet in einem Gebäude unter einer schlechten Lichtsituation einige Bilder machen, ihr könnt oder dürft kein Blitzlicht verwenden oder ihr wollt eben mit dem natürlichen Licht fotografieren.

Ihr stellt auf eurer Kamera ISO 6400 ein, dreht die Blende auf 5.6 oder 8, denn ihr wollt ja das Maximum an Bildqualität haben, das euer Objektiv leisten kann. Nun aber merkt ihr das ihr trotzdem auf keine vernünftige Verschlusszeit kommt, die ihr aus der Hand noch ruhig halten könnt.
Also dreht ihr diesmal die Blende auf 2.8 oder 2.0, nun habt ihr zwar eine Zeit erreicht die noch ok ist, aber dafür seit ihr nun in einem Blendenbereich, wo euer Objektiv nicht mehr optimal abbildet.

Denn mit Blende 2.0 sind mit eurem Objektiv (Canon EF 50mm F1.8) nur ca. 35% aus der Mitte gesehen halbwegs scharf und kontrastreich! Der Rest und speziell der Rand fällt extrem ab!

Nun habt ihr jetzt zwar ein Bild bekommen, aber mit wenig Details, die die hohen ISO Werte schon geschluckt haben und dazu kommt jetzt auch noch die nicht mehr optimale optische Auflösung von eurem Objektiv! Was da dann raus kommt, ist wohl jeden klar, ein verwaschener, kontrastloser und nicht mehr scharfer Matsch.

Und Weiter?

Seit ich fotografiere, meide ich deshalb die hohen ISO Zahlen wie der Teufel das Weihwasser. Speziell, wenn man hier Top Objektive einsetzt, darf man eigentlich darüber gar nicht nachdenken welche Informationen an Details man hier herschenkt wenn man in hohen ISO Zahlen fotografiert. Und hier ganz besonders wichtig in der Makrofotografie, wo wir im extremen Nahbereich noch jedes Härchen an dem Insekt erkennen wollen, denn das kann ja rein theoretisch auch das Makroobjektiv auflösen. Nur sind eben diese Härchen ab ISO 1600 nur mehr ein durchsichtiger Match!

[box type=“tick“]Auch wenn ich eine Vollformatkamera hätte, die schon die ISO 100 000 Marke erreichen kann, trotzdem würde ich zb. in der Makrofotografie nicht über ISO 800 gehen! Dh. also irgendwie versuchen die ISO Zahlen niedrig zu halten.[/box]

[box type=“tick“]Sehr gute Objektive verwenden, die schon leicht abgeblendet ihr optisches Maximum erreichen.[/box]

[box type=“tick“]Bildstabilisator der Kamera oder Objektive benutzen.[/box]

[box type=“tick“]Ein Stativ verwenden. Wenn dies nicht möglich ist, eventuell darüber nachdenken ein Einbeinstativ oder ein kleines Tischstativ mitzunehmen.[/box]

Und wenn nun einigen von euch das vollkommen egal ist, ob da nun Matsch rauskommt? Dann ist es auch gut! Denn ihr wisst ja, zum Schluss zählt nur das …. ach ihr wisst sicher was ich meine. 😀


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6 Gedanken zu „Hohe ISO, Qualität der Objektive und die Details“

  1. Mit den Messreihen von DXOmark und anderen lässt sich für jedermann nachvollziehen, das bei hohen ISO-Zahlen bei allen Bildsensoren der erfassbare Dynamikumfang (aka Kontrastumfang) drastisch einbricht. Nur interessiert das irgendwie niemanden. Das einzige was die Leute bei hohen ISO-Werten interessiert, ist das Rauschen.

    Konkretes Beispiel: Bei ISO 100 kann eine Canon 5D II gut 11 Blendenstufen an Dynamikumfang erfassen. Bei ISO 6400 nur noch 7,5 Blendenstufen. Entsprechend steigt die Gefahr massiv an, das helle Bereiche im Foto ausbrennen oder dunkle Bereiche jegliche Details verlieren und völlig absaufen.
    http://www.dxomark.com/index.php/en/Camera-Sensor/All-tested-sensors/Canon/EOS-5D-Mark-II (siehe Diagramme und Dynamic Range bzw. Tonal Range)

    Nichtsdestotrotz sind die hohen ISO-Werte an heutigen Kameras für mich trotzdem häufig ein Segen. Bei stärkerer Verwacklungs- oder Bewegungsunschärfe ist ein Bild in der Regel unbrauchbar. Da sind etwas Rauschen und ein eingeschränkt wiedergegebener Kontrastumfang häufig das kleinere Übel.

    Technisch gesehen steigt der Kontrast im Foto bei hohen ISO-Werten übrigens erst einmal stark an. Der Effekt wird nur noch stärker vom Rauschen überlagert, das sich wie ein Grauschleier übers Foto legt und zu flauen Bilder führt.

  2. Ich fotografiere seit einiger Zeit wieder analog – wenn ich sehe wie der Film aus der Entwicklerdose und nach dem Trocknen aussieht, dann frage ich mich, warum du dich bei einem iso1600-Bild aufregst?

    Meine 400iso Filme sehen m.u. bei 100% aus wie mit Iso12800 einer D700, mit dem Unterschied das dies echtes Filmkorn ist und interessant wirkt. :)

    Gestern habe ich den Versuch angestellt, mit meiner uralt D80 im Highiso-Modus einige Nachtszenen festzuhalten. Nun also auf Iso1600 gestellt und abgedrückt, Bild sah für diese Stufe wirklich gut aus (ich kenne nun schließlich das grobe Filmkorn). Weitere Bilder mit ISO2500 +1/3 Blende gepusht sah immernoch gut aus – bei 100% krieselt es zwar ein wenig, aver wer schaut sich schon Crops an? 😀 Im Gesamtbild fällt sowas garnicht auf.

    Hier zwei Beispiele:

    ISO1600: http://tinyurl.com/32du746

    ISO2500 (+1/3 = 2800): http://tinyurl.com/2utcf36

    Man muss die Bilder im Gesamten sehen, nicht nur einen Ausschnitt. Und wenn man dies beachtet, sich dazu noch die Möglichkeiten der Available-LIght Fotografie bei Nacht vor Augen hält, dann sind „verrauschte“ Bilder mehr Wert als den Moment verpasst. Die obigen Aufnahmen entstanden Freihand mit dem Nikkor 35/1.8 bei Offenblende. Verschlusszeiten zwischen 1/20s und 1/60.

    Rauschverhalten wird überbewertet, vorallem wenn man Analogfilm kennt. 😉

  3. Wohl wahr. Dies entspricht der gängigen Vermarktungspraxis in allen Consumerbereichen, sich unreflektiert auf einige wenige angeblich wichtige „Technische Daten“ zu konzentrieren.

    Wieviel Pixel hat die Kamera?
    Wieviel Watt hat der Lautsprecher?
    Wieviel PS hat Dein Auto?

    Alles Fragen, deren Antworten ab auch gar nichts über das Produkt aussagen. Und dazu gehört eben auch ein hoher ISO-Wert.

    Aus diesem Grunde fotografiere ich auch mit meiner Leica M8 und deren angeblich niedrigen ISO-Empfindlichkeit lieber als mit meiner Canon: die Objektive sind bei JEDER Blende gut nutzbar und die höheren ISO-Einstellungen bringen weniger Detailverluste, wenn auch die Dynamik sinkt.

    Best
    Holger

  4. Gerade bei Offenblende zeigt sich eben doch oft die Qualität des Objektives welche sich leider oft auch im Preis niederschlägt. Davon abgesehen ist es natürlich auch ein gewaltiger Unterschied ob ich in einer Halle bei ISO 3200 mit Blende 2.8 fotografieren kann oder nur Blende 4 oder 5.6 zur Verfügung habe. Gerade bei 200mm Brennweite bin ich schon froh wenn ich mir 1/250 am Kleinbild erlauben darf.

    Die Bildquali finde ich für ISO 3200 schwer in Ordnung, wobei ich aber, gerade weil ich wegen Verschlußzeiten des öfteren nochmal Unterbelichten und das RAW hinterher wieder hochziehe, die Bilder meist in Schwarz/Weiss entwickle.

    Meiner persöhnlichen Vorliebe beim Fotografieren kommt eine weite Blendenöffnung entgegen und ich bin immer wieder begeistert von der Offenblendenleistung meines leider auch etwas teureren L-Zooms. Das es auch in günstiger geht zeigt mir aber das Tamron 28-75 2.8 welches ich auch sehr gerne offen benuzte.

    Gerade bei Makros gebe ich dir aber absolut recht, über ISO 800 wird es schon schwierig, gerade wenn das Bild noch beschnitten wird….

  5. schöner artikel, allerdings fehlt mir noch ein vergleich zwischen den auswirkungen des abblendens und der niedrigen iso-werten. in der regel wird man nämlich nicht abblenden, denn der schärfeverlust beim objektiv ist wesentlich geringer als der, der beim entrauschen des bildes entsteht.

    lg

  6. iso x an der einen kamera ist nicht zu vergleichen mit der gleichen iso-zahl bei ner anderen. und gerade, wenn man es selber nicht kennt ist es nicht immer vorteilhaft sich eine doktrin wie „selbst wenn ich hätte, dann würde ich …“ zu unterwerfen.
    das ist wie wenn jemand, der immer mit hartem bleistift zeichnet sagt „selbst wenn ich einen weichen bleistift hätte, würde ich immer noch genauso zeichnen wie jetzt mit dem harten“. mit jedem werkzeug muss man seine grenzen neu kennenlernen – und zwar jeder individuell für sich.
    früher habe ich mit nem 3200er film fotografiert und auch mal gepusht. natürlich macht man damit dann keine aufnahmen für höchste detailanforderungen 😉
    der anti-rauschwahn mit hypersensibilisierten nörglern, die schreiend weglaufen, wenn sie mal ein körnchen auf nem bild erkennen können („sorry, das hat sand am strand so an sich“) ist eindeutig überflüssig. weil wenn ein bild darauf reduziert wird, wieviel rauschen zu erkennen ist, dann kann es nicht weit her sein mit dem fotografischen potenzial.

    viele grüße
    torsten

    ps: ich kenne genügend umwerfende fotos mit z.b. dem 50mm 1.8 von canon bei f 1.8 die umwerfend beeindruckend sind und gleichzeitig unendlich viele langweilige detailreich und rauscharme fotos mit top-objektiven bei deren maximalstleistungseinstellung, die zu tode langweilig sind. :)

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