Fototechnik das Blendwerk des Teufels

Quartalsweise werden immer wieder mal gerne Artikel durch die Fotorafieblogs getrieben, bei denen es um die Feststellung geht, das eigentlich der Fotograf das Bild macht und die Technik das Blendwerk des Teufels ist.
Bei diesen Artikeln kann der Blogautor auch mit vielen beipflichtenden Kommentaren seiner Leser rechnen, also quasi eine sichere Bank.
Und sollte sich mal ein lebensmüder Leser mit einem „GERONIMO“ auf den Lippen zu einem Pro-Technik-Kommentar hinreißen lassen, so wird dieser sofort wieder mit dementsprechenden Hinweisen der anderen Beipflichter zurechtgestutzt, das er mit eingezogenem Kopf von dannen zieht und von nun an, nur mehr mit einer Lochkamera seiner fotografischen Berufung nachgeht!

Die Texte der Kommentare selbst wiederholen sich auch alle Jahre wieder und werden wahrscheinlich per Copy und Paste wortgewandt eingefügt. Denn anders kann ich es mir nicht erklären das der Ausgang dieser Diskussionen immer und immer wieder gleich sind und so leicht vorher zu sagen sind.

Menschen müssen Erfahrungen machen, um weiter zu kommen. Das gilt speziell für die Fotografie. Wenn sich ein Anfänger dazu entschlossen hat in die Untiefen der Fotografie weiter eindringen zu wollen und er der Welt dies mit seinen Fragen; „Mit welcher Kamera und Objektiv hast du das Bild gemacht?“ „Mit welcher Verschlusszeit/Blende?“ „Soll ich mir auch das gleich Objektiv kaufen wie du?“ usw., kundtut. Dann müssen wir, die die eventuell schon etwas mehr Erfahrung haben, diesen Menschen HELFEN!

Ein Nein, oder ein Hinweis kann dem Anfänger eventuell 5 stunden suchen ersparen, oder ihn vor einem teuren Fehlkauf abhalten, oder ihm 5 Monate scheitern ersparen. Und wird die Antwort, die er bekommt, nicht für ihn zufriedenstellend sein, so er wird er sich diese Antworten, wo anders abholen oder eben in die gleiche Falle tappen, in die wir selber vor Jahren getappt sind. Er wird seine eigenen Erfahrungen machen, und wenn Flut und Ebbe gutstehen, auch aus diesen Lernen.

Natürlich ist es nicht so einfach die immer wieder gleichen Fragen in den Kommentaren zu beantworten, speziell dann wenn man zb. ein halbwegs gutes Bild veröffentlicht. Aber, und jetzt kommt es: Ich sehe es als Geschenk an, wenn ich das Wissen bzw. meine Erfahrungen weiter geben darf/kann. Denn mir wurde auch geholfen, als ich am Anfang stand, ich hatte auch so viele Fragen und war mir in vielen Sachen unsicher.
Es gab da auch andere, erfahrene Fotografen, die mir auch nach der hundertsten Anfängerfrage noch Antworten gaben. Und wenn sie mal keine Lust hatten, so war das auch Ok.

Und genau diese Hilfe, die ich damals erfahren habe, geb ich nun eben weiter. Und es geht nicht darum sich hinzustellen und den großen Zampano zu spielen. Mir ist es jetzt auch nicht wichtig ob derjenige meinen Tipp nun befolgt oder nicht, vielleicht wollte er nun nur eine Antwort haben, um zu sehen, dass es noch etwas anders gibt. Oder er kombiniert viele Antworten zu einer für ihn richtigen, was auch immer, er kann jetzt den Nächsten schritt machen.

Und wenn es eben Menschen gibt, die auf diese ganze Fototechnik abfahren und sich bei den Schaufenstern, wie damals als wir Kinder waren, die Nase platt drücken und die tolle Kamera und das geniale lichtstarke Objektiv bestaunen. Dann ist das meiner Meinung nach auch in Ordnung, denn es macht ihnen einfach Spaß und sie haben Freude damit zu fotografieren.
Problematisch wird es aber dann, wenn bei solchen polemischen Artikeln wie oben genannt, die Händchenhaltenden-Kopfnicker und Zustimmer diese Technik begeisternden Menschen belächelnd als oberflächlich und nicht an dem Bild Interessierte in eine Schublade geworfen werden.

Obwohl es mir jedes Mal unter den Fingernägeln brennt, bei solchen Artikeln zu kommentieren, verkneife ich es mir immer öfters. Ich möchte diese nicht auch noch Füttern, denn dies haben sie nicht verdient. Der Text ist zwar immer etwas anders formuliert, das Thema aber gleich und die Kommentare und das Ergebnis immer sehr leicht vorhersehbar.

Deshalb plädiere ich für: Stop mit diesen sinnfreien und polemischen Artikeln. Und mehr Toleranz für jeden und vor allem für jeden Weg zur Fotografie. Jeder, wie er will und kann.


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11 Gedanken zu „Fototechnik das Blendwerk des Teufels“

  1. … und nun verlagerst Du diese Diskussion hier hin – und bekommst auch recht! 😉
    Jeder sucht sich sein Publikum. Ich für meinen Teil kann Euch beiden zustimmen ohne mich verbiegen zu müssen.

  2. Ich find ein klein wenig Polemik ja immer wieder ganz spannend. Gleichzeitig bin ich dafür insgesamt entspannter miteinander umzugehen. Es wird wohl auf gepflegt und entspannt Streiten als Plädoyer hinauslaufen…

  3. Ich hab auch dieses Mantra nachgebetet: „Nicht die Technik isses.“ aber irgendwann kommt man drauf, dass wenn man zB billig investiert die Technik durchaus einen Flaschenhals darstellt. Wenn dann wieder der Vergleich kommt, dass der Fotograph als Künstler nicht durch sein Werkzeug beschränkt sei, muss ich ganz ehrlich sagen: Picasso mag zwar ein hervorragender Künstler gewesen sein, trotzdem hat er zumeist Ölfarben einem Wassermalkaster für Kleinkinder vorgezogen.

  4. Vielleicht eher fragen wieso man ein Bild gemacht hat und nicht wie?! Aber dass speziell in Deutschland eher das Technische überwiegt verwundert leider gar nicht.Wenn es nur halb soviel Blogs, Webseiten, Foren gäbe die sich mit Fotografie als Kunstform und nicht mit Technik auseinandersetzen würden, wäre schon viel gewonnen.

  5. Es gibt immer solche und solche und dann noch solche.
    Solche die über die Kunst ins Thema einsteigen und denen dich Technik egal ist – die bekommen es trotzdem hin.
    Solche die über die Technik einsteigen und dann feststellen, dass die richtig coolen Bilder mit ihrer Technik nicht gehen.
    Und solche die schon lange an ihrer Technik gearbeitet haben und deswegen schon zienlich coole Bilder hinbekommen und ihr wissen nur in sündhaft teuren Workshops zum Besten geben. Und damit jeder da hinkommt machen sie regelmäßig Werbung (Blog, Podcast) damit sie auch von jedem im Google-Universum gefunden werden.

    Die coolen Bilder funktionieren oft auch mit einer Lochkamera (oder eben einer einfachen Lumix/Ixus etc.), manchmals aber nur mit einer DSLR/Four Thirds etc. und hin und wieder nur mit extra Zubehör (Filter, Blitz etc.) Womit wir wieder beim Thema wären: Ohne Technik(erfahrung) geht es nicht (immer) und daher fragen halt die Anfänger (so wie ich) nach.
    Aber egal wie – es wäre schöner, wenn man zu den Bilder ab und zu das „How to“ lesen könnte damit man so was mal selbst probieren kann.

  6. Ich sehe das richtig? Du forderst Toleranz für alle, egal wie sich sich der Fotografie nähern wollen und gleichzeitig forderst Du abschließend ein Stoppschild?

    Junge, das geht aber so gar nicht zusammen! #fail

    Im übigen, ja es gibt im Web immer ein gewisses Maß an Wiederholung. Das ist zum Teil aber auch der Tatsache geschuldet, dass, wie Du selber schreibst, Menschen nachwachsen, die sich mit einzelnen Themen erstmals beschäftigen. Somit hat jeder Mensch zu einem Zeitpunkt X einen Entwicklungsstand Y. Da kann man sich noch so echauffieren, das ist menschlicher Entwicklung geschuldet, dass andere Menschen je nach verbrachter Zeit im Raum- und Erfahrungskontinuum sich wiederholen – obwohl sie sich nicht selbst wiederholen.

  7. Hallo Manfred.
    schwierige Sache. Irgendwie versteh ich den Artikel, und würd den auch so unterschreiben, weil es halt wirklich manchmal nervt. Auf der anderen Seite muss ich auch creezy zustimmen.

    Irgendwie sollte man, bei welcher These auch immer aufpassen, dass man nicht auf der anderen Seite vom Pferd wieder runterfällt :)

    Vielleicht liegts auch daran, das wir Online-Foto-Fuzzies zuviel und zu oft irgendwelche blogs über Fotografie lesen, und sich da zwangsläufig Dinge wiederholen…

  8. Jawohl, ich gebe es zu!
    Obwohl als leidenschaftliche Hobbyfotografin natürlich (!!!) in erster Linie am gelungenen Bild
    interessiert, an der perfekten Umsetzung meiner Vorstellungen, stehe ich total auf Technik und
    Kameras!
    Eine tolle Kamera in der Hand zu halten und neue Handhabungen und Techniken auszuprobieren, ist für mich ein ausgesprochen sinnliches Vergnügen!
    Einige, der für mich attraktivsten, habe ich mir geleistet, arbeite wechselweise mit allen von ihnen
    und weiss genau, was ich von welcher zu erwarten habe und setze sie dementsprechend ein.
    Heute noch drücke auch ich meine Nase platt, inzwischen am virtuellen Schaufenster, und stelle mir vor, wie schön es wäre….
    Und was , bitte, soll verkehrt daran sein, wissen zu wollen, mit welcher Kamera ein Bild geschossen worden ist?
    Auge, Kamera, Bild,…. wie soll man das in Wichtigkeiten auseinanderdividieren; und wozu?

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