Aus meiner Sicht-Folge 1: Herbstreste von Michael Schröder

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Nun die Erste Folge meines Projekt Versuches: Aus meiner Sicht. Hier und heute geht es ganz alleine um das Bild von Michael Schröder, mit dem Titel: „Herbstreste“.

Was mir auf Anhieb bei diesem Bild gefallen hat, war dieser passende Braunton. Er passt ausgezeichnet zum gesamten Bild. Aber nun sehen wir uns mal das Bild genauer an und zerlegen es mal in einzelne Bildbereiche.

Herbstreste-Michael Schröder

Bilddetail 1

Die Sahnehäubchen

Bei einem Makrobild in diesem Abbildungsmaßstab ist es immens wichtig, das es da was echt tolles zu sehen gibt-Es braucht einen Eyecatcher. Dies können Farben, Formen oder Strukturen sein, was auch immer, es muss den Blick des Bildbetrachters regelrecht magisch anziehen.

Beim Makrobild von Michael Schröder gibt es meiner Meinung nach zwei eindeutige Eyecatcher, die bei genauerer Betrachtung herausstechen. Da währe zum ersten die Blattadern an der rechten Seite des Blattes, im oberen Bildbereich. Dort gibt es einen ganz leichten und zarten Schärfeverlauf der Blattadern. Ein Schatten gibt den Adern eine wunderbare Dreidimensionalität und Tiefe.

Eigentlich sollte man diese besonderen Bildbereiche bei der Bildkomposition vor Ort, seine volle Aufmerksamkeit schenken. Und seine Bildkomposition um diese Aufbauen. Aber dazu muss man diese erst mal sehen und auch wahrnehmen. Deshalb wahr es früher, immens wichtig immer und immer wieder die Abblendtaste an seiner Kamera zu betätigen und das Bild eben auf solche wichtigen Bilddetails zu kontrollieren.Heute steht uns mit dem Kameradisplay ein noch hilfreichere Funktion zu Verfügung. Wir haben nun die Möglichkeit die Aufnahme sofort nach drücken des Auslösers zu anzusehen und das Bild eben auf solche Details zu prüfen.

Und als zweiter Bildbereich, der mir gleich aufgefallen ist, an der rechten Seite des Blattes die Lichtspiegelungen. Am Rand des Blattes gibt es vom einfallenden Licht, wahrscheinlich sind die Sonnenstrahlen von links oben gekommen und haben am Blattrand diese Rot, Gelb, Blau Lichtspiegelungen erzeugt. Zwar etwas klein aber trotzdem genial anzusehen.

Keine Ahnung, ob diese Lichtspiegelungen dem Fotografen aufgefallen sind, wenn ja, dann hätte er diesen vielleicht noch mehr Aufmerksamkeit schenken sollen.

Also rein theoretisch muss man nun mit einem Ausschnitt aus diesem Bild, die beiden oben genannten Bildbereiche irgendwie zusammen bekommen. Aber nicht nur das, vielleicht kann man so auch versuchen eine gewisse Spannung aufzubauen. Und dem Bild die vorhandenen etwa nicht so interessanten Bildteile, links und rechts entlang des Blattes, zu entziehen.

Bilddetail 2

Ich habe mich dazu entschlossen wieder ein 1×1 Ausschnitt zu wählen. Beim Freistellen eines Bildbereiches aus einem Bild sollte man zb. auf die Ecken achten. Dass dort keine hellen oder zu dunklen Flächen überbleiben. Oder das man zb. einen Ast oder Sonstiges abschneidet.

Dem Bildautor ist es auch schon mit seinem Bildausschnitt gelungen den Bildbetrachter, auf eine Reise zu schicken. Von unten rechts beginnend bis nach oben in die Bildmitte.

bild nach beschnitt

Mit meinem Bildbeschnitt habe ich nun auch den etwas lästigen hellen Grashalm, der unten links im Bild zu sehen ist, den Garaus gemacht, der doch etwas ablenkte.

Wenn ihr den Slider des oberen Bilder hin und her zieht seht ihr, was ich meine, mit der Blickrichtung, die man denn Bildbetrachter quasi vorgibt. Mit dem Bildausschnitt, den ich gewählt habe, sind die Blattadern wie Führungslinien, die von unten nach oben führen und nun beim, von mir bevorzugten Eyecatcher enden.

Auch in der Makrofotografie gilt, wenn es sonst nichts Besonderes zu sehen gibt, dann gehe näher ran. Nur dann ergeben sich wieder andere Probleme, zb. den richtigen Schärfepunkt zu finden.
Wo legt man die Schärfe hin, welchen Bildteil will ich mit welcher Blende betonen oder abschwächen? Beim Bild von Michael Schröder kann ich nicht erkennen, warum er gerade die Schärfe genau in die Blattmitte gelegt hat.

Auf dem Blatt liegen noch zwei Schatten, einer links und einer etwas rechts. Diese kommen wahrscheinlich von einem Ast, der über dem Blatt selbst ist. Schade, hier dürfte der Fotograf nicht aufgepasst haben, denn ohne diese Schatten würden die Adern des Blattes noch mehr zu Geltung kommen.

In der Nah- und Makrofotografie sollte man versuchen helle und ganz dunkle Flecken zu vermeiden. Denn diese lenken nur vom eigentlichen Motiv ab und sind, sofern sie nicht zur absichtlichen Bildkomposition gehören, im Bild selbst unnötig.

Beim Bild Herbstreste finden man links ganz dunkle Bildpartien und ganz rechts den hellen Waldboden. Der zwar nicht überbelichtet ist, aber teilweise noch in der Schärfenebene liegt und dadurch zu sehr den Blick auf sich zieht.
Was wohl auch eher zur Kategorie „Zeit nehmen für die Bildkomposition und dadurch Fehler vermeiden“ gehört, ist das ganz oben angeschnittene Blatt. Leider hat hier der Fotograf die wunderbare Rundung des Blattes, mit dem sehr fotogenen hellen Rand durchgetrennt. Und so die Chance auf einen besseren Schnitt bei der Bildkomposition vertan.

Nur ein Beschnitt?

Und was ist nun geblieben? Eigentlich nur ein Beschnitt des Bildes von Michael Schröder. Es ist schon alleine schwer genug bei einer Nahaufnahme einen Bildbeschnitt zu wählen, wenn dann auch noch einige wichtige bzw. interessante Bilddetails in der Rohfassung angeschnitten sind, wird es extrem schwer. Die nachher Version hat meiner Meinung mehr Spannung und ist zwingender bei der Bildbetrachtung.
Nun aber die vorher und nachher Version:


Dieses Bild lebt von seinem Braunton und hat auch etwas an dem knappen und falsch platzierten Schärfebereich zu knabbern. Mit etwas mehr konzentrierterem Arbeiten vor Ort währe da weit mehr möglich gewesen. So oder so, es bleibt ein interessantes Bild.


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11 Gedanken zu „Aus meiner Sicht-Folge 1: Herbstreste von Michael Schröder“

  1. Das ist doch mal eine interessante Bildbesprechung, Danke! Muss auch mal ein Bild für Dich raussuchen (wenn ich mal einen Tag nicht 16h Arbeite *gg*).

    Ich kann auch glaube ich nachvollziehen, wo du mit diesem Bild hin willst. Wobei ich das Originalbild auch schon interessant finde, von den Farben und dem Schatten-Dreizack her. Ich seh allerdings auch nicht so recht, was der Schatten zum Bild beiträgt, kann gut nachvollziehen, dass du den überflüssig findest.
    Die beiden hellen Flecken links unten und rechts oben stören schon etwas, dazu scheint mir das Bild etwas buntfleckig, kann das sein?

    1. Ja diese Flecken, aber wahrscheinlich wird es einen anderen Bildbetrachter gerade so gefallen. Ich kenne diese Problematik ja auch zur Genüge. Das Sonnenlicht, das sich manchmal schön, aber auch hin und wieder komisch durch die Bäume bricht. Dann der Waldboden dazu, das macht die ganze Sache nicht gerade leichter.
      Abhilfe schafft bei mir immer ein Durchlichtaufheller, der zwar ca. 2 Blenden Licht schluckt, aber diese harten Schatten verringert und das Motiv immer etwas geschmeidiger erscheinen lässt.

  2. vielen dank, das du dir mein bild als erstes vorgenommen hast!
    ich finde deine ansätze sehr hilfreich, da ich deine betrachtungsweise selbst nicht so erkannt habe.
    zu dem zeitpunkt der aufnahme, fotografierte ich mehr aus dem „bauch“ heraus, werde aber deine hinweise für die nächsten bilder versuchen mit einfliesen zu lassen.
    auf jeden fall ist es interessant, wie mein foto von dir analysiert wurde und welche gestaltungselemente beim betrachter eine wirkung haben.

    1. In der Tat wollte ich es schon einstampfen, da es scheinbar kein Interesse für solche Themen gibt! Und mein Aufwand für eine Folge doch enorm ist.
      Ich habe mich aber dazu entschlossen, im neuen Jahr (Jänner) einen neuen Versuch zu starten.

          1. *gg* Tjaja, die Leute wollen bekuschelt werden, und nicht lernen.
            Da hilft nur eins: fürs Feedback bezahlen lassen. Wer dafür bezahlt, dem ist es auch wichtig.

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