Ich glaube in keinem anderen Genre der Fotografie wird so gerne über das Objektiv bzw. das beste Objektiv diskutiert, wie in der Makrofotografie. Eher ein 50mm bzw. 60mm nehmen und so etwas mehr vom Hintergrund auf dem Bild haben. Oder doch lieber ein 90/100mm, und mit diesen den Hintergrund zusammen stauchen, oder gleich ein 150/180/200mm und damit den Hintergrund auf ein Minimum reduzieren und das Motiv extrem freistellen? Tja viele Fragen und viele mögliche Antworten.
Was ist aber nun, wenn man gerade erst in die Makrofotografie einsteigen möchte und sich noch kein echtes Makroobjektiv leisten kann oder will? Nun da gibt es einige Alternativen, eine Möglichkeit möchte ich euch hier nun vorstellen.
Manuelles 135mm Objektiv
Seht euch nach einem Manuellen 135mm Objektiv um. Hier würde ich euch ein 135er Objektiv mit einem M42 Bajonett empfehlen, da es dort sehr viel Auswahl gibt und diese doch recht günstig zu bekommen sind.
Als Lichtstärke würde ich 2.8/3.5/4.0 nehmen, denn damit hat man dann mehr kreativen Spielraum bei der Gestaltung mit der Schärfe/Unschärfe. Generell muss man sagen, dass es fast keine wirklich schlechten 135mm Objektive gibt, bzw. sehr viele, die optisch sehr gut sind. Die 135er dürften leichter optisch zu konstruieren sein, wie andere Brennweiten, denn ich glaube es gibt keine anderen Brennweitenbereich, wo mir so viele gute Objektive untergekommen sind wie bei 135mm!
Und nun einige bezahlbare Empfehlung, diese Objektive habe ich entweder selbst benutzt oder sind bei Kennern sehr beliebt bzw. werden diese immer sehr gelobt und gerne empfohlen.
- Takumar Super(SMC) 135mm 2.5 oder 3.5
- Tair 11-A 135mm 2.8
- Carl Zeiss Jena Sonnar 135mm 3.5(4.0)
- Jupiter-37A/AM 1353.5
- Jupiter-11 135mm 4.0
- Pentacon 135mm 2.8 preset
- Olympus Zuiko (Auto-T 135)mm 2.8(3.5)
- Vivitar Series-1(Auto) 135mm 2.3(2.8)
- Tamron 135mm 2.8
Um nur einige zu nennen, die oben genannten 135er sind teilweise schon ab ca. € 50.- zu bekommen.
Also, erstens gibt es nicht sehr viele Autofokus 135mm Objektive, die noch bezahlbar sind, zb. Canon 135er ca. € 1000.-! Und zweitens braucht man für die Makrofotografie nicht zwingend einen Autofokus. Fast alle Makrofotografen, die ich kenne, stellen auch mit ihren Autofokusobjektiven manuell scharf. Und drittens hat die 135mm Brennweite die wunderbare Eigenschaft, dass es denn Hintergrund genial reduziert, aber trotzdem noch klein und handlich bleibt. Und viertens, wie ich schon oben erwähnte, gibt es viele optisch wirklich sehr gute 135er, zum kleinen Preis.
Leider haben diese alten manuellen 135mm Objektive eine Naheinstellgrenze von ca. 120cm bis 150cm, also für die Makrofotografie eindeutig zu wenig. Und hier kommen wir nun zu dem zweiten Zubehörteil, das wir für die Makrofotografie mit einem 135mm Objektiv benötigen.
Der Zwischenring
Zwischenringe sind im Prinzip glaslose Kupplungsstücke, die zwischen Kamera/Adapter und Objektiv montiert werden. Zwischenringe verringern erheblich die Naheinstellgrenze des Objektives, dadurch kann man näher an das Motiv ran gehen und man befindet sich nun schon voll in der Makrofotografie.
Als Beispiel bei meinem Takumar 135er mit einer Naheinstellgrenze von 150cm, kann ich mit dem 30mm Zwischenring auf ca. 70cm ran an das Motiv rücken.
Zwischenringe werden meistens in sogenannten Sätzen angeboten, meistens in dreier Sätze mit 10, 20 und 30mm. Kombiniert könnte man somit aus sieben verschiedenen Auszugslängen wählen und alle drei Zwischenringe zusammen würden einen Auszug von 60mm ergeben, damit kommt man schon extrem nahe an das Motiv heran.
Verschweigen sollte ich euch hier auch nicht, das es natürlich auch ein wenig an der optischen Leistung eures 135er ankommt, wie der durch den Zwischenring verursachte mögliche Qualitätsverlust auf euren Bildern zu sehen ist. Ich persönlich habe an der optischen Qualität nichts auszusetzen.
Weiters ist das Scharf stellen nun auch nur mehr in einem gewissen Abstand zum Motiv möglich. Zb. bei meinem Takumar 135er, wenn ich hier mit dem 30mm Zwischenring arbeite, kann ich von ca. 70cm bis 140cm scharf stellen. Alles, was darüber ist, kann nicht mehr scharf fokussiert werden. Dh. eine Fokussierung ins Unendliche ist nicht mehr möglich. Braucht man aber in der Makrofotografie eher selten
Da hier bei einem Abblenden zb. auf Blende 8 der Sucher auch extrem dunkel wird und dadurch das manuelle Scharfstellen schwer wird, empfehle ich euch hier folgende Arbeitsweise.
Um das Bild zu komponieren und Scharf zu stellen, blende auf den maximalen Wert, zb. 2.8/3.5. Wenn ihr nun alles erledigt habt, Blende auf den gewünschten Wert wieder schließen und das Bild machen. Die Kamera zeigt dann so oder so zb. den richtige Verschlusszeit an, oder im manuellen Modus auf dem Lichtbalken im Display den zu korrigierenden Wert.
Da wir hier nur manuelle Zwischenringe benötigen, dh. ohne Datenübertragung an die Kamera, ist der Preis für einen Dreier Satz M42 Zwischenringe mit ca. € 15.- auch sehr moderat.
Noch einige Anmerkungen zur möglichen Qualität.
Ein 20 Jahre altes M42 135mm Objektiv kombiniert mit einem Zwischenring, in der Makrofotografie, kann nie die optische Qualität einer modernen Makro-Festbrennweite haben!
Es geht mir hier darum, angehenden Makrofotografen eine Möglichkeit aufzuzeigen, wie sie mit wenig Geld in die Welt der Makrofotografie einsteigen können. Da ich selber diese Objektiv/Zwischenringe Kombination schon länger einsetze, kann ich das Fotografieren damit sehr gut beurteilen. Seit dieser Zeit habe ich noch von niemanden gehört, der meine Bilder im Internet oder auf Papier gesehen hat, das die optische Qualität schlecht sei oder bzw. das die Schärfe nicht in Ordnung wäre.
Im Gegenteil sie waren dann immer positiv überrascht, wenn sie mich gefragt haben mit welchen Makroobjektiv ich die Aufnahmen gemacht habe und ich ihnen sagte, dass ich hier ein 135er mit Zwischenringe eingesetzt habe.
Was mit einem 20 Jahre alten 135mm Objektiv (bei mir ein Super Takumar 135mm 3.5) und einem 30mm Zwischenring in der Makrofotografie möglich ist, können vielleicht folgende Bilder als Beispiel zeigen:
Durch die 135mm Brennweite wird auch der Hintergrund wunderbar reduziert, aber man kann ihn noch mit in die Bildkomposition einbinden. Mit € 50.- für das Objektiv, € 15.- für den Zwischenringsatz und noch mal € 10.- für einen M42 Adapter für euer Kamerasystem, dringt ihr in Neue Makrowelten vor.
Und es wird euch vielleicht genau so viel Spaß machen wie mir.













interessanter artikel, danke!
zwischenringe hab ich, benutze ich derzeit aber nur auf meinem 50er. hatte das neue canon 100er objektiv im auge, aber das ist ja ganz schön teuer!
@Birgit, deshalb weil sie ja so teuer sind, wollte ich mal eine Alternative aufzeigen. Vielleicht ist es ja für denn einen oder anderen Interessant
Auch wenn Zwischenringe eine günstige Alternative sind, haben mich die Ergebnisse bei anderen Fotografen bisher nicht überzeugt. Die Fotos wirken immer leicht unscharf und flau auf mich.
Zu deinen empfohlenen Objektiven. Ich hatte mal ein Tamron Makro, welches ich ganz schnell wieder abgegeben habe. Es war total laut und hat während des Fokussierens geknarzt und gerattert. Es war sehr leicht und vom Griff her war es sehr billig gemacht. Auch die Qualität der Fotos war sehr schlecht. Daher könnte ich Tamron nicht empfehlen.
Heute habe ich ein Nikkor Micro 60mm, welches ich mir als Makro-Anfängerin zugelegt habe. Wenn du magst, kannst du hier meinen Bericht dazu lesen: http://www.janasworld.de/2010/04/07/eine-echte-makro-mutti/
Viele Grüße, Jana
@Jana, Bei meinen Tamron knarzt und rattert nix, ist aber auch ein Manuelles Objektiv. Hatte auch mal zum testen ein Tamron das 60er Makro, war aber auch wunderbar verarbeitet.
Haben dich denn meine Bilder überzeugt, von der schärfe und nicht flau?
Ich möchte die Liste der Objektive nur um 2 ergänzen, die ich NICHT empfehlen kann
- Porst Tele MC 135/2.8
- Soligor Auto 135/3.5
Beide sind M42-Objektive mit manuellem Fokus und “Made in Japan”. Beide finde ich sehr flau und eigentlich erst ab f8 benutzbar. Das Porst hat zudem eine gruselig konstruierte Blende, so das ein schönes Bokeh ohnehin ausfällt.
Super Guido, das hilft sicher den anderen Lesern auch weiter. Danke.
wow, das bokeh ist wirklich allererste sahne….
Hallo!
Der Artikel kommt mir gerade recht
. Ich will schon seit längerem endlich in die Makrofotografie einsteigen, hab aber mir noch nie eine neue Makro Optik leisten können. Dein Artikel hat mich da wieder auf eine neue Idee und Hoffnung gebracht. Wenn ich mir die Bilder so ansehe, kann ich von “optischen Mängeln” nichts, absolut gar nichts erkennen. Das heißt, Punkt 1, Qualität/Preis geht an die “alten” Gläser
.
Punkt 2, wo kaufen? Kannst du mir sagen, wo ich so eine Optik bekomme?
Ich möchte echt endlich mit Makro anfangen, finde aber selbst alte Objektive bei mir in Graz kaum…
Danke schon im Voraus
Florian
@Florian, Foto Köberl in der Münzgrabenstrasse 53 Graz.
Cool! Danke für die Info
Werd mal dorthin schauen
LG