Warum alte manuelle Objektive?


Letztens bei einem Gespräch mit anderen Fotobegeisterten habe ich dir Frage gestellt bekommen, warum ich denn zu 90% alte manuelle Objektive einsetze?
Wahrscheinlich auch, weil ich teilweise mit diesen Objektiven aufgewachsen bin. Als ich als Jugendlicher mit dem Fotografieren begann habe ich in den Fotozeitschriften und im Fotoclub (das ist ein Twitter-Facebook-Flickr-Blog in Echzeit) immer diese tollen Lichtstarken Festbrennweiten bestaunt. Und war dann immer frustriert über die Preise dieser optischen Leckerbissen.

Mit dem Einzug der Digitalfotografie sind generell die Preise der Analogkameras und der manuellen Objektive rapide gesunken. Heute bekommt man für zb. € 100.- schon ein sehr gutes manuelles Objektiv. Ich tippe mal das einige Millionen von diesen alten Objektiven aus den 60-90er Jahren noch in Verwendung bzw. im Umlauf sind. Der Gebrauchtmarkt im Internet und auch noch teilweise im Fotofachgeschäft ist voll von diesen ausgezeichneten Objektiven.

Sehr gute Objektive konnten sie auch damals schon bauen. Sicher die Optische Vergütungen der Linsen ist dann erst in den 70ern eingesetzt worden. Und auch werden jetzt einige Pixelzähler aufschreien und meinen das diese alten Gläser niemals die hochauflösenden Sensoren von modernen Digitalkameras bedienen können. Ich behaupte mal das diese alten Objektive zu 99% für unsere Anwendungen in Bezug auf die Auflösung, Schärfe usw. vollkommen ausreicht. Seit ich mit alten manuellen Objektiven fotografiere, habe ich noch nie beim Betrachten meiner Bilder im Internet oder an einem ausgedruckten Bild auf zb. A1, gehört das die optische Qualität schlecht währe, oder Ähnliches.

Bedenkt man nun das man schon um ca. € 100.- zb. ein 50mm 1.4 Objektiv bekommt, das schon damals eine sehr gute optische Leistung hatte und diese für die heutigen DSLR-Kameras locker ausreicht. Hat man schon allein hier ein riesiges Betätigungsfeld auf dem Gebrauchtmarkt. So Bi mal Auge gibt es alleine für den M42 Anschluss 20-30 verschiedene Hersteller, kleine oder große, schwarze oder silberne hier gibt es sicher für jeden etwas. Und das allein nur bei denn 50mm Objektiven!

Funktionsweise

Um diese manuellen Objektive an einer Digitalkamera verwenden zu können, benötigt man einen Adapter. Mittlerweile gibt es für fast alle alten Kameraanschlüsse einen Objektivadapter. Diese Adapter bekommt man teilweise schon um € 10.- also auch kein Beinbruch.
Der Adapter wird an das Objektiv geschraubt und das Objektiv wird dann ganz normal an der Kamera befestigt. Manche Kameramodell kann man dann mit der Zeitautomatik verwenden, ihr stellt am Objektiv die gewünschte Blende ein und die Kamera passt dann die richtige Zeit an. Bei anderen Kameramodellen funktioniert nur der manuelle Modus, aber keine Angst auch das geht ganz einfach, wieder am Objektiv die Blende einstellen und an der Kamera, mit Hilfe eines Belichtungsbalken am Display, die richtige Zeit einstellen. Wie ihr seht, kann das wirklich jeder!

Und welche alten manuellen Objektive kann man nun kaufen?

Wenn man sich mal die 50er Objektive ansieht tauchen am Gebrauchtmarkt sehr oft folgende Namen auf:

  • Carl Zeiss Jena PANCOLAR
  • Helios 44
  • Takumar SMC oder Super
  • Olympus Zuiko OM
  • Minolta MC-Rokkor
  • Pentacon
  • Vivitar
  • Tokina
  • Tamron

Wenn ihr ein 50er von einem dieser Hersteller kauft, dann macht ihr für den Anfang sicher nichts falsch. Diese gehen so von € 25.- bis € 100.- mit einer Lichtstärke von 1.4, 1.8 bis 2.0 über den Ladentisch.

Was mir persönlich an den manuellen Objektiven gefällt ist zb. die Möglichkeit wirklich butterweich mit dem Scharfstellring die Schärfe einzustellen. Wenn ich da an die heutigen Autofokusobjektive denke, mit diesen dünnen Scharfstellringen, mit denen es mir einfach keinen Spaß macht das Objektiv manuell scharf zu stellen, kann ich schon verstehen warum da jeder lieber Scharfstellen lässt.

Und die Verarbeitung dieser alten Objektive, Leute, Leute einfach wunderbar. Zur dieser Zeit wurde sehr wenig bis gar kein Plastik verbaut, einige dieser Objektive halten wohl generationsübergreifend. Ich finde es ist einfach eine eigene Welt mit so einem Objektiv zu fotografieren, massiv verarbeitet und alles, obwohl schon teilweise 20 Jahre alt, läuft satt und geschmeidig. Bei manchen Objektiven die ich besitze denke ich mir, das können sie nur aus einem ganzen Block gefertigt haben, eben gebaut wie ein Panzer. Dagegen kommen einem zb. die heutigen Kitobjektive vor wie Kinderspielzeug, ja selbst die damaligen Kitobjektive 28-50, 35-70 usw. sind um längen besser verarbeitet und auch aus dementsprechenden Material gefertigt.

Und wer jetzt den alten manuellen Objektiven immer noch keine Chance gibt, oder noch Skeptisch ist, der kann sich noch meinen Flickr Stream anschauen und sich dort von der optischen Qualität dieser Objektive überzeugen.

In den nächsten Tagen werde ich noch einen Artikel dazu veröffentlichen, über meine Persönlichen Empfehlungen, zu den besten manuellen Makroobjektiven-vielleicht ist ja was dabei für euch, also dran bleiben.
Wenn ihr noch Fragen zu dem Thema habt, hilft euch vielleicht mein Artikel: Alte manuelle Objektive mit Adapter an Modernen Digitalkameras weiter. Wenn trotzdem noch Fragen dazu habt, oder einen speziellen Tipp zu einem Objektiv haben möchtet, dann einfach rein damit in die Kommentare.

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32 Gedanken zu „Warum alte manuelle Objektive?“

  1. Danke für den super Artikel! Ich spiele aufgrund deiner Berichte bereits seit einiger Zeit mit dem Gedanken, mir eine alte Festbrennweite (~30mm) zu kaufen … vielleicht ist es ja bald so weit …

  2. Ich kann die Aussage nur bestätigen. Seit ich in den 80ern anfing zu fotografieren, ist das Nikkor 55mm meine Lieblingslinse, die lässt sich auf den aktuellen Kameramodellen zwar „nur“ im M-Modus benutzen, aber was soll’s..? Mein Eindruck: ich fotografiere damit entspannter, habe mehr Kontrolle über das Ergebnis.

  3. Genau wegen solchen Artikel schiessen die Dinger im Preis seit fünf Jahren sowas von hoch …. Schade eigentlich, denn inhaltlich gebe ich Dir recht, da sind schöne Sahnestückchen dabei. Aber ein altes Pentax (von dem Hype besonders betroffen, der K-Mount wurde als einziger seit den 70ern durchgeschleift) sagen wir mal A* 85 1.4 ist einfach nicht mehr bezahlbar, wenn es überhaupt in Umlauf kommt.
    Seufz. Aber M42 muss ich mich endlich mal drum kümmern, das könnte noch ne Option sein.

    1. @ Michael, stimmt speziell die Takumare sind in den letzten Jahren extrem im Preis gestiegen. M42 ist eine riesige Spielwiese, denn auch bekannte Hersteller wie Vivitar, Takumar (Pentax), Tamron, Tokina usw. haben für diesen Anschluss Objektive gefertigt. Und Natürlich nicht zu vergessen die vielen Objektive aus Russland und der DDR.

      Ich beobachte den Gebrauchtmarkt ziemlich genau, es gibt einige da einige Objektiv-Tipps, die Kenner nur unter vorgehaltener Hand sich gegenseitig ins Ohr flüstern. Denn das würde dann wieder die Gebrauchtpreise in die Höhe treiben und das wollen wir doch alle nicht 😉

      Ich erinnere mich da noch all zu gut an das Makroobjektiv Kiron 105mm 2,8. Vor Jahren, konnte man ein gebrauchtes ohne Probleme für ca. € 50.- kaufen, niemand wollte das Ding haben. Bis dann leider einige Ami-Händler das geschnallt haben und plötzlich sind die Preise regelrecht Explodiert. Nun zahlt man zb. dort für ein gut erhaltenes ca. 350.- und mehr Dollar!

  4. Hey, super Tipp! Da werde ich mich gleich mal schlau machen, welchen Adapter ich für meine EOS 1000D benötige und was es für tolle Objektive gibt. Ich bin ja noch scharf auf ein gutes Einsteiger Makro-Objektiv, dass auch erschwinglich ist. Vielleicht finde ich so ja etwas.

    1. @Marcel, Einsteiger Makroobjektiv, könnte ich dir folgendes Empfehlen: Vivitar/Elicar 55mm 2.8 oder Vivitar/Panagor 90mm 2.8
      Das sind im Prinzip immer die gleichen Objektive, der Unterschied ist nur der Name.

  5. Na endlich mal jemand der mir aus der Seele spricht/schreibt, ich verwende die alten Linsen auch sehr gerne, das Bokeh ist meistens wunderschön, wie man ja auch auf Deinen Bildern sehen kann, da können die modernen korrigierten Linsen nicht mit!

    Der einzige Haken an den alten Linsen, das ist ne Sucht, da kommt man nimmer weg! 😀

    1. @Rainer, so ist es. Habe vor wenigen Tagen erst ein Volna 9 aus der Ukraine bekommen, in Neuzustand – das Ding ist der Hammer so etwas habe ich noch nicht gesehen – Artikel folgt.

  6. Nanana, wir wollen mal auf dem Boden der Tatsachen bleiben, grade die 50mm sind oft überkorrigiert und kriegen bei Offenblende kein schönes Bokeh hin, es sei denn man steht auf kleine Kreise mit hellem Rand.
    Wunderschön an der Stelle, das Pentax A50 2.0. Macht aus jeder kontrastierten Linie im Bokeh ein pointilistisches Kunstwerk.
    Die 1.4er sind da oft ein gutes Stück zahmer, aber auch da habe ich schon Bokehs gesehen, die eher ins Reich der abstrakten Kunst gehören.
    Wenn mans weiss und bewusst einzusetzen versteht ist das ja gut aber….
    Mal ein paar Beispiele fürs ein Chinon 50 1.4
    http://jpgmag.com/photos/1994848
    http://jpgmag.com/photos/1962825
    und ganz besonders
    http://jpgmag.com/photos/1962813
    Beim Letzten sieht man was ich meine….

    1. @Michael, Ja wenn du ein tolles Bokeh haben möchtest, dann würde ich mir mal das Russische Helios 58mm und da die 44/2er Serie ansehen.

      Und generell würde ich sagen die Sache mit Bokeh, ob das schön und gut ist wer entscheidet das und wie? Ob da jetzt helle oder dunkle Ringe außerhalb der Kreise sind, wenn diese die Bildwirkung unterstützen ist das doch in Wirklichkeit vollkommen egal.

  7. Da bin ich mal gespannt auf das Volna, die Russen-Linsen finde ich auch sehr interessant, aber das Volna kannte ich noch nicht.

    Zu den Schnittbildscheiben, kann ich nur sagen, das die Meisten die eine hatten, die Dinger wieder ausgebaut haben!

    Ich selber verwende die Pentax-Sucherlupe (auf der SIGMA SD) zum fokussieren, passt auch bei vielen anderen Herstellern.

  8. Genau so sehe ich das auch. Hatte für meine Olympus nach einer lichtstarken Festbrennweite gesucht. Die sind ziemlich teuer. Da bin ich bei ebay auf alte manuelle M42-Objektive gestoßen. Und ich will mein 50mm 1:1,8 von Pentacon nicht mehr hergeben. Ich überlege auch, mir ein 85mm 1:2,8 von REVUENON zu kaufen. Hast du damit Erfahrung?

  9. Bei Canon mag das alles wunderbar funktionieren – bei Nikon hingegen bekommt man unter einem dreistelligen Body die guten Stücke nur im M-Modus zum laufen. Das mag für den einen oder anderen ganz toll sein, jedoch sollte mindestens die Belichtungsmessung funktionieren… ein „erahnen“ des Lichts hat auch früher zu Analogzeiten niemand gemacht, zumindest niemand den ich kenne.

    Kurzum: moderne Zeiten, moderne Linsen. Man muss nicht alles kaufen, aber viele Linsen sind ihr Geld schlichtweg einfach wert, moderne, schnelle Autofokussysteme erleichtern uns viel Arbeit. Hinzu hohe Spezialvergütungen welche mehr Kontrast und auch qualitativ hochwertiger abzeichnen. Auch gibt es heutzutage bezahlbare Weitwinkelzooms welche zudem noch Lichtstark sind. Also in der Hinsicht ein immenser Fortschritt.

    Klingt fast so als würde ich es schlechtreden wollen, mache ich nicht, ich finde nur, dass man von den alten Linsen keine Wunder erwarten sollte. Wer sich eine Dslr kauft, sollte auch bereit sein einige Sümmchen in Objektive zu stecken und nicht an jedem Ende zu sparen…

    1. @Hannes, ich verstehe schon was du meinst, keine Frage du hast auch recht.

      Das Schöne daran ist doch, dass wir Fotografen die Wahl haben, wir können uns für die modernen Autofokusobjektive oder eben für die Alten manuellen entscheiden.

      Die Verwendung dieser hängt aber auch teilweise vom Themengebiet ab in dem man sich fotografisch bewegt. Ein Sport, Fashion, Tier oder Actionsfotograf wird wohl eher zu den Autofokusobjektiven greifen.
      Bei den Architektur, Natur- und Makrofotografen sieht die Sache dann schon wieder anders aus. Hier kann man auch ohne Probleme auf den Autofokus verzichten.

      Ich möchte eigentlich mit diesen Artikeln nur aufzeigen das es sehr wohl eine Alternative gibt. Und das es auch Spaß machen kann, mit diesen alten Gläsern zu fotografieren. Und vielleicht entschleunigt das bei manchen die fotografische Arbeit und man konzentriert sich so mehr auf das wesentliche, das Motiv. :)

  10. Erst einmal ein Kompliment, ein schöner Artikel ist das, alte Begehrlichkeiten weckt. Denn mit dem Gedanken mir die ein oder andere manuelle Festbrennweite zuzulegen hab ich schon öfters gespielt. Sie bieten wohl eine gute Leistung zu einem fairen Preis. Was mich bisher davon abgehalten hat, ist die Unsicherheit nicht zu wissen welches Bajonett ich für meine Sony das geeignetste ist. M42 oder lieber doch die manuellen MD/MC von Minolta. Was ist mit der Unendlichkeitseinstellung, Fokusbestätigung und eventuell auch Zeitautomatik. Hat jemand konkrete Erfahrungen mit manuellen Objektiven an dem Sony-Bajonett.

    LG, Sven

  11. @Sven, Für folgende Anschlüsse benötigst du einen Adapter mit einer Linse dazwischen, für die Scharfstellung ins Unendliche: Minolta MD/MC, Nikon AI, Pentax K.
    Bei folgenden Anschlüssen kannst du einen ganz normalen Adapter nehmen (ohne Linse): M42, T2, Pentacon Six / Kiev 60.
    Und bei diesen Anschlüssen funktioniert nur ein Scharfstellen im Nahbereich: Leica R, M39.
    Das mal zur Orientierung.

    1. @zoomyboy: gibt es eine Liste, auf der man sieht bei welchem Bajonett und welcher Kamera man einen Adapter mit Linse braucht und bei welchen nicht? Danke!

      1. @Martin, so eine Liste habe ich noch nicht gesehen. So eine zu erstellen dürfte nicht ganz einfach sein und ist auch einiges an Arbeit. Aber Vielleicht kann ich ja einiges das ich bereits weis in ein PDF schmeißen, vielleicht hilft das ja?

      1. @Michael, meine Ausführung für Swen galt für Sony.
        Pentax K ist meiner Meinung nach so oder so ein sehr geniales Bajonett, das Auflagenmaß ist wunderbar. Im Gegensatz zum Canon FD, ein Horror zum Adaptieren.

  12. Super Artikel, Manfred, die Vorstellung lichtstarke FBs zu verträglichen Preisen zu haben ist schon verlockend – nur muss man wohl sehr genau wissen, was sich zu kaufen lohnt und zu welchem Preis. Besonders im Hinblick auf das Phänomen, dass im Netz empfohlene Sahne-Objektive einen immensen Preiszuwachs erleben… wenn so ein Teil dann nahezu genauso viel kostet wie eine gute AF-Linse vom Kamerahersteller, dann hat sich das für mich erledigt.

    1. @Sven, das kann ich dir nicht sagen, habe ich selber noch nicht verwendet. Ich denke aber das es sich in grenzen halten wird, und du es am Bild selbst nicht sehen wirst.

  13. Auch wenn der Artikel etwas älter ist: Danke dafür!
    Nachdem ich auch mal auf den Trichter gekommen, mir einfach mal ein paar ältere Objektive zuzulegen, habe ich mal im Netz ein bißchen rumgesucht und
    in den hießigen Online-Aktionshäusern gibt’s die ja maßig, unglaublich!

    Übers Wochenende hat mich dann eine massive LBA gepackt und habe gleich 3 Objektive ersteigert für ~70 € (Versandkosten mit eingerechnet).
    Ich bin mal tierisch gespannt, was die alten Objektive von Tokina, Auto Revuenon und Vivitar so draufhaben.

  14. Hallo,

    habe gerade eine Wundertüte geschenkt bekommen und ein altes Revuenon 135mm 2,8 auf dem Flohmarkt für 2€ erstanden.
    Der T2- und der M42-Adater kosten nicht die Welt, aber….
    beim M42-Adapter wird der Blendenhebel nicht gedrückt und das Objektiv hat keien. Was nun?

    Any Ideas?

    Dieter

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