Wir Fotografen sind immer Künstler

Die Kunst in der Fotografie ist es manchmal, alles der Bildidee, dem Bild selbst unterzuordnen. Die Ausrüstung, den Ort der Aufnahme und der beschwerliche Weg dort hin, die Wetterverhältnisse, die Zeit und oft die Misserfolge.

An gewissen Tagen und in gewissen Momenten habe ich eine Fixe Bildidee, die ich fast greifen kann. Um diese Fanastareien abarbeiten zu können, mache ich mich dann auf zu einer Fototour. Diese Fotografische Vorgehensweise führt dann bei mir oft dazu, das ich fast ferngesteuert durch die Natur laufe, immer den suchenden Blick auf das mir fehlende etwas, für mein Bild in meinem Kopf. - Die Kunst ist es nun, trotzdem die Umwelt wahrzunehmen und auf die Details zu achten, ruhig und gelassen.

Fünf Stunden in der Pampa mit einem 15 kg Rucksack und einem 5 kg Stativ zu Fuß unterwegs,  und dann Zuhause bei der Bildsichtung merkt man dann, dass keines aber auch wirklich gar keines der Bilder dem entspricht was man sich eigentlich vorgenommen hat - und nun ist es die Kunst, sich wieder zu Motivieren für die nächste Fototour, mit dem Hintergedanken das es wieder keine guten Bilder geben kann!

Cool bleiben, wenn wieder einmal dem Akku, während eines Naturshootings, der Saft ausgeht. Und sich vor einem gerade das geniale Motiv präsentiert und noch zusätzlich das absolut mächtige Licht daher kommt. - Und nun besteht die Kunst eben darin, die Kamera einzupacken, dieses Naturschauspiel zu genießen und sich zu schwören das nächste mal darauf zu achten das der Akku voll ist und der Reserve-akku mit dabei.

Und nun Bildbeispiele:

blattverlauf in grün

Dieses Motiv hatte ich so oder so ähnlich als Bildidee abgespeichert. Die Blätterreihen hatte ich auch ziemlich schnell gefunden, die richtige Kameraposition war dann aber schon etwas schwerer zu finden. Denn ich konnte nicht weiter nach oben da dort der Himmel begann, noch weiter neigen konnte ich aber die Kamera auch nicht, denn der Boden war nicht geeignet als Hintergrund.

Somit brauchte ich für die Bildkomposition 20 Minuten, die Blende und Verschlusszeit war schnell gefunden. Trotz dieses Aufwandes und vorigen betätigen der Abblendtaste bzw. der Liveviewfunktion, sind mir die beiden senkrechten hellen Grasstengel, die links durch das Bild gehen, nicht aufgefallen?! Die meiner Meinung nach dann doch irgendwie vom Hauptmotiv ablenken.- Die Kunst ist es nun, beim nächsten mal, darauf zu achten und den Bildhintergrund nochmals zu kontrollieren und bei einem Wiederholfehler, es auf die Kamera, Objektiv oder den Mond und die Flut zu schieben.



halm

Tja bei diesem Bild ist es ganz einfach – Neigen, ich hätte die Kamera mehr nach hinten neigen müssen! Platz war da, Zeit auch, ich war aber so vom Licht der untergehenden Sonne fasziniert das ich einfach darauf vergessen habe. Ich war also gerade auf einen Lichttrip, war berauscht, dh. eigentlich konnte ich nichts dafür!- Und hier ist es die Kunst, das nächste mal bei einer ähnlichen Lichtsituation eine Sonnenbrille aufzusetzen, so quasi als Prophylaktischer berauschungsschutz.


Ich tue das alles, also bin ich ein Künstler. Und ihr da draußen natürlich auch. Wir Fotografen sind so oder so immer Künstler und erschaffen auch immer Kunst, so oder so!

12 FEEDBACKS

  1. Tobbsn sagt:

    1) Großes Kompliment, mir gefallen deine Bokeh-Bilder ziemlich! Ich sollte mir auch so einen Adapter samt Antik-Objektiv besorgen…

    2) Zum Künstler… Naja, es stellt sich die Frage, was denn in Zeiten der Digitalisierung und technischer Reproduktion noch ein Kunstwerk ist, ob das dann nicht eigentlich eine andere Funktion in der Gesellschaft hätte. Deswegen hinkt deine Argumentation von “wir sind alle Künstler” in meinen Augen ein wenig…
    Und gleichzeitig ist die reine Umsetzung einer Bildidee und das handwerkliche Können nicht automatisch Kunst. Es gibt einfach zu viel Kitsch auf dieser Welt! Kitsch = Kunst – Individualität und Kunst ohne Individuum ist in meinen Augen nicht möglich…

  2. obi sagt:

    wo er recht hat, hat er recht. Teils…..
    Was aber eine Künstler von einem Nicht-Künstler unterscheidet, ist, dass der Künstler die Regeln der Kunst kennt, denn nur so etwas mit Absicht schaffen kann, oder mit Absicht gegen die Regel ‘verstossen’.
    Es ist ein Unterschied, ob jmd. malen kann und einen Eimer Farbe dabei absichtlich umtritt, oder ein Hund, aus Versehen dagegen läuft…. Ohne Sachverstand des Kunstkonsumenten, bringt alles nichts, zumindest nicht für die Kunst, ( höchsten für die Kasse).. uiii Philosophisch…. muss aufhören..
    …. neues Seitendesign ist sehr schön.

  3. Tobbsn sagt:

    @Obi: Ich kann auch einen Eimer umtreten und das nachträglich als Kunst definieren. Oder den umgefallenen Eimer eines anderen als Kunst bezeichnen. Der Ansatz von Kunst durch Konsumption ist durchaus berechtigt, aber in meinen Augen sollte man zwischen Kunst und reinem Schönheitsdienst unterscheiden.

  4. zoomyboy sagt:

    Ich bleibe dabei: Wir erschaffen alle Kunst. Hätte ich aber einen Namen, einen guten Kurator oder Gallerist. Währen zb. die beiden Bilder oben, gefeierte Meisterwerke. Nur so gehen sie hier oder bei Flickr einfach unter.
    Und für den folgenden Satz schmeiße ich € 2.- in das Phrasenschwein: “Kunst liegt im Auge des Betrachters”.

  5. boris sagt:

    Wie Du weisst hab ich mich ja auch schon mal versucht dem Kunstbegriff analytisch zu nähern. Der Definition “alles ist Kunst” und dem € 2,- Satz kann man nichts wirklich entgegen setzen…

  6. Sam sagt:

    15Kg Rucksack und 5Kg Stativ?
    Meine Herren, was schleppst Du denn da alles mit rum? Selbst wenn ich zwei Bodies und reichlich Objektive mitnehme komme ich eher auf 10Kg, und 5Kg Stativ, da ist ja selbst mein Berlebach Holzstativ mit 2,20m Höhe ein Leichtgewicht gegen!

    Oder waren das eher die gefühlten Werte? :)

    • zoomyboy sagt:

      Sam, naja es werden jetzt nicht genau so viel Kg sein. Aber mein uraltes Manfrotto 055 Alu und der alte Dreiwegeneiger sind nicht dafür bekannt, leicht zu sein.
      Und im Rucksack, sind jetzt nicht unbedingt die Objektive das Gewicht sondern eher das Zubehör: biegsame stangen, blitze, einstellschlitten usw. eben Makrodinger.

  7. Gerd sagt:

    Ja wir haben schon zu schleppen ;-) Kleiner Tipp: Bei solchen Motiven wie das erst, ist hilfreich einen Draht im Rucksack zupacken. Den dann einfach um den Ast wickeln und schon kannst Du ihn in die gewünschte Position biegen. Den Trick hat mir mein alter Bonsai-Gärtner verraten. ;-) Viele Grüße – Gerd (Künstler ;-) )

  8. [...] Zoomyboy – Wir Fotografen sind immer Künstler [...]

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