Mit welcher Kamera fotografierst DU? Diese oder ähnliche Fragen kommen immer wieder in Fotoblogs, Fotoforen und bei Twitter. Was ich mich frage, warum ist das so wichtig? Und warum wird diese Frage immer und immer wieder gestellt?
Werden meine Bilder dadurch aufgewertet oder abgewertet? Steigt die Wichtigkeit meiner Person dadurch? Habe ich dann mehr zu sagen und stärkt das mein Wort und meine Meinung? Darf ich dann andere Bilder in der Luft zerreißen und andere Anpöbeln? Oder ist es nur eine Sommerloch-Frage? Oder hilft es jemanden bei der Entscheidungsfindung? Oder werden nur dadurch die Kommentare des eigenen Blogs mit Keywords gefüttert? Oder ist es nur eine Alibi- Überbrückungsfrage um trotzdem einen Artikel veröffentlicht zu haben?
Ich habe Beruflich mit einigen Autoren von Fachbüchern zu tun, ich könnte mich nicht erinnern das da mal bei einer Veranstaltung irgend einer der Autoren einen anderen Autor gefragt hat, mit welchem Laptop oder halt Schreibmaschine er sein Buch geschrieben hat? Und warum nicht? Ganz einfach- Weil es egal ist! Das Bild ist das Entscheidende und das fertige Produkt bzw. Ergebnis – alles andere ist für die Katz.
Und was ist dann, wenn ich weiß das ein Chase Carvis mit einer Hasselblad und 15 Assistenten und ein Joe McNally mit einer Nikon D3 fotografiert und ein Modell mit 18x SB-800 ausleuchtet? Werden dann die Bilder dieses Fotografen besser, stufe ich unbewusst diese schon ganz anders ein? Gerade weil es bekannte Profifotografen mit Profiausrüstung und einem großen Marketingapparat dahinter sind?
Oder hat das eigentlich gar nichts mit der Wirklichkeit zu tun? Den 99,999 % der Fotografen machen fast alles alleine, ohne eigenes Kamerateam das noch alles gleich mitfilmt. Mit einem in die Jahre gekommenen Mittelklasse Kameramodell. Mit Baustrahlern als Lichtquelle und einem weißen Tuch als Reflektor. Und einem 15 m2 Heimstudio in Kombination mit einem Grafikprogramm das bei einer Speicherkarte dabei war.
Und wenn die Menschen dann wissen, das er solch eine Ausrüstung dabei verwendet. Weil der Fotograf sich eben nicht mehr leisten kann oder will. Werden dann seine Bilder unbewusst anders betrachtet, erhält er dann weniger Wertschätzung der Bildbetrachter? Und wird er vielleicht dadurch nicht so ernst genommen?
Wer weiß? Vielleicht ist es auch gar nicht so?