Wann ist ein Foto noch ein Foto

Sollte ein Foto nicht eigentlich eine genaue Fotografische Abbildung der Wirklichkeit sein? Ein Foto sollte doch immer ehrlich sein, es darf den Betrachter niemals Anlügen. Können wir uns den auf Bilder nicht mehr verlassen und müssen wir uns jedes mal fragen ob das gezeigte nicht doch vielleicht aus dem Computer kommt? In den 90er forderte ein bekannter Deutscher Tier- und Naturfotograf das Tierfotos die nicht in der Freien Wildbahn gemacht wurden so auch für den Bildbetrachter gekennzeichnet werden müssen. Denn es sei ja ein gewaltiger Unterschied ob das Bild eines Löwen, von einem Löwen im Okawango Delta sei oder von einem Dressierte Löwen eines Tiertrainers aus Boston. In einem mehrseitigen Artikel über das oben genannte Okawango Delta im National Geographic oder in der GEO erwartet man natürlich das die gezeigten Bilder auch von dort seien, aber ist das immer so? Ich gehe davon aus das sie das sind.

Aber gerade durch die Digitalfotografie und den Einzug von Bildberarbeitungsprogrammen wie zb. Photoshop sind die Möglichkeiten fast unbegrenzt. Zur Analogen Zeit hatte ich keine Dunkelkammer daher konnte ich auch keine Bildmanipulationen durchführen. Das einzige das noch so ging waren Doppelbelichtungen wenn den die Kamera es beherrschte. Wollte ich zb. das dieser störende Ast nicht ins Bild hängt musste ich das Motiv so umrunden und die Komposition verändern, das der Ast eben nicht in das Bild ragte. War der Ast trotz Standort Veränderung nicht weg zu bekommen so war ich geschlagen, einfach so, die Natur hatte mich besiegt. Und heute mache ich mir wegen diesem Ast null sorgen, den dank Photoshop ist das eine Sache von Minuten und der Ast ist verschwunden. Mit diese Manipulation der Wirklichkeit forme ich das Bild zu meiner Wirklichkeit, meiner Sicht des Motivs, genau so wie der, der den Ast vor Ort abgebrochen hat.

Ein gemalter Waldweg im Herbst

Dieses Bild das ihr oben seht entspricht nicht der Wirklichkeit denn es war zur dieser Zeit an diesem Ort anders. Die Farben waren anders, die Blätter, die Äste sie waren nicht verschwommen, sie leuchteten auch nicht so. Aber ich, der dort war, habe es zur dieser Zeit so gesehen. Mit meiner Gefühlsstimmung und auch mit meiner Fantasie und wahrscheinlich auch mit meinem Wunsch das es dort so aussehen sollte. Und so habe ich die Wirklichkeit verändert, ich habe Manipuliert. Ich habe das Bild so verändert das ich mit dem Bild zufrieden war. Und wird so ein Bild nicht auch etwas Persönlicher? Denn ich habe euch somit, eigentlich verraten wie ich die Welt dort gesehen habe? Ich nenne das Kreative Freiheit – denn auf eine gewisse Art bin ich ein Künstler. Genau so wir ihr, denn Malen mit Licht auch das ist Fotografie – Egal ob Digital oder Analog. Richtig oder Falsch. Zuviel oder Zuwenig. Egal, tut es so, wie ihr die Welt seht.


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29 Gedanken zu „Wann ist ein Foto noch ein Foto“

  1. In der Dunkelkammer konnte nicht manipuliert werden????
    Was ist mit abschwächen, abwedeln, Ausschnitte belichten, Bildteile wegkratzen, und und und…?
    War das keine Manipulation?

  2. @Sam, wie ich oben schon schrieb, ich konnte nicht, denn ich hatte keine Dunkelkammer. Klar war auch zu dieser Zeit einiges Möglich nur mit welchem Zeitaufwand? Und damals versuchte man Fehler bzw. störende Bildteile mit aller Macht zu vermeiden, um sich die Nerven- und Zeit aufreibende Duka Nachbearbeitung zu ersparen. Und wie viele konnten sich den eine Farb-Dia Dunkelkammer Ausstattung leisten – wenige.

  3. Was in der Malerei zwischen Hyperrealismus und abstrakter Kunst legitim ist gilt genauso für die Fotografie. In jeder Kunstform sollte erlaubt sein was gefällt uns niemand außer Dir selbst setzt die Regeln. Zumindest solange Du Dich als Künstler bewegst. Der Blickwinkel unter dem Stichwort „Dokumentation“ kann ein anderer sein.

  4. Ich persönlich halte nicht viel von der Verfremdung von Fotgrafischen Aufnahmen. Kleinere Manipulation sind aber erlaubt, so ist es ok, sofern man vielleicht einen störenden Ast beseitigt oder aber die Belichtung im Nachhinein noch verändert. Allerdings sollte dabei die Kernaussage eines Bildes nicht beeinträchtigt werden…

  5. @smylo
    Wer oder was erlaubt keine Verfremdung von fotografischen Arbeiten?
    Ich lasse mir von niemanden vorschreiben, wie ich mit meinen Fotos umzugehen habe. Ich bearbeite die Fotos so, wie es für richtig halte. In meinem Job muss ich das sogar machen.
    Es ist auch ein Trugschluß, dass die Kameras die Wirklichkeit abbildet. Eine Kamera kann nicht wie ein menschliches Auge sehen. Sobald man auf den Ablöser drückt, ist das aufgenommene Bild eine Verzerrung der Wirklichkeit, denn je nach Belichtung haben z.B. Schatten teilweise keine Zeichnung oder sind zu dunkel, anders wie das menschliche Auge die Szene gesehen hat. Wenn ich das Bild so haben will, wie ich es gesehen habe, muss ich einiges nachbearbeiten. Selbst ein Ansel Adams hat in seinem Labor stundelang an seinen Bildern gearbeitet, bis diese so waren, wie er es wollte.

    Es muss jeder für sich selber entscheiden, wie weit er gehen will. Aber ich halte nichts davon, das irgendwie zu verallgemeinern und zu sagen, kleine Korrekturen sind erlaubt und mehr nicht.

  6. @Zoomyboy: die Werkzeuge waren zur Dunkelkammerzeit andere, aber die verschiedensten Manipulationen hab ich damals mit als erstes bei der Dunkelkammerarbeit gelernt. Einige Manipulationen waren so einfach, die hat man bei fast jedem Bild angewandt, genau wie heute digital auch.
    Der Zeitaufwand war wie heute: man steckt so viel Zeit rein, wie man möchte, oder bis man das gewünschte Ergebnis erreicht hat.

    Klar, wenn man seine Fotos einfach im Geschäft abgibt hat man selber keinen Einfluß (wobei die Fotolabore auch an den Bildern ändern, und die Maschinen je nach Jahreszeit anders eingestellt wurden, aber eben eher in Massenverarbeitung).

    Manipulation gibt es solange wie es Bilder gibt.

  7. @Matthias
    Im Grunde stimme ich Dir zu, deshalb habe ich aber auch bewußt „Ich persönlich…“ geschrieben.
    Natürlich steht es jedem frei, seine Fotos nach seinen eigenen Vorstellungen zu bearbeiten und gegebenenfalls auch zu verfremden. Ich persönlich mag es in der Regel aber nicht so gerne und befürworte nur minimale Veränderungen, die zur Verbesserung/ Angleichung an die Wirklichkeit dienen. So halte ich nicht alzuviel von total überzeichneten HDR Bildern, sofern diese Technik aber dazu genutzt wird um die aktuellen Einschränkungen der Fotografie zu durchbrechen, ist es eine super Sache!
    Natürlich gibt es aber auch bei mir Ausnahmen von der Regel und so können auch verfremdeten Fotografien einen Reiz auf mich ausüben, aber eben nur selten…

  8. @Smylo
    Das ist okay, deine Einstellung deckt sich zum Teil mit meiner. Übertriebene HDR-Bilder mag ich auch nicht, aber ich nutze diese Technik gerne, um die von dir angesprochenen Schwächen der Fotografie auzugleichen und die Bilder zu optimieren.

    Was meine Arbeit angeht: Ich bin bei einem Produktionsunternehmen als Grafiker festangestellt und erstelle auch die Produktfotos. Da bin ich sogar gezwungen, die Bilder so zu bearbeiten, wie es die Geschäftsleitung haben will. Mangels Fotostudio und schwierige Lichtverhältnisse in der Produktion führen dazu, dass ich die Bilder manchmal sehr stark bearbeiten muss.

  9. Im Endeffekt ist es ja auch völlig egal, ob ich nun vor der Aufnahme manipuliere indem ich alles aus dem Bild schaffe, was ich nicht drin haben will, oder nach der Aufnahme retuschiere.

    Ich persönlich manipuliere lieber vor/bei der Aufnahme, weil ich am Fotografieren mehr Spaß hab als an Bildbearbeitung, aber wenns bei anderen anders ist soll mir das gleich sein.

    Manipulieren tut man ja schon durch die Auswahl dessen, was man fotografiert. Ja, manipuliert wird doch schon vor dem Foto, von denjenigen die das Veranstalten was man da fotografiert.

  10. @Matthias
    „Das ist okay, deine Einstellung deckt sich zum Teil mit meiner.“
    Na da haben wir ja doch noch den gemeinsamen Nenner gefunden 😉

    Bei Deiner Arbeit (der Produktfotografie) sind Verfremdungen ja (leider) an der Tagesordnung, mich würde echt mal interessieren wie diese Werbefotos aussehen würden, wenn nicht soviel getrickst werden würde. Aber dann hätten die bekannten Fastfoodketten wohl bald keine Besucher mehr 😀

  11. Ich denke die Grenzen in der Manipulation eines Bildes sind überlappend, dem einen ist es zuviel der andere bastelt sich so sein Bild zusammen wie er es vor seinem Geistigen Auge sieht.
    Letzt endlich geht es doch darum was zum Schluss dabei raus kommt, und das es Spass macht. Und das es Bildmanipulation schon immer gab, ist klar, aber noch nie war es so einfach, und noch nie konnte es fast jeder tun. Was aber leider auch dazu geführt hat das noch nie soviel Müll Fotografiert wurde, die Quantität hat sich immens erhöht – die Qualität aber meiner Meinung extrem verschlechtert.

  12. Eben, wichtig ist was rauskommt, und jeder hat einen anderen Ablauf dafür.
    Das die Quantität sich erhöht hat, sehe ich genauso, das liegt wohl vor allem daran dass fotografieren noch nie so billig war wie heute.
    Allerdings bin ich der Meinung, das die Qualität sich auch ganz gewaltig erhöht hat. Klar, durch die Masse wird auch Massenhaft Schrott produziert, aber ich hab am Wochenende eine Fotozeitschrift von 1982 in den Händen gehalten, und was da „gute Qualität“ für eine Fotozeitschrift war, würde man heute als ziemlich flau ansehen.

  13. zoomyboy schrieb:
    „Was aber leider auch dazu geführt hat das noch nie soviel Müll Fotografiert wurde, die Quantität hat sich immens erhöht – die Qualität aber meiner Meinung extrem verschlechtert.“
    So ärgerlich das auch ist und so gerne ich es auch tun würde, aber ich kann Dir leider nicht widersprechen. Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier wieder die Regel, aber ich habe es bei mir selbst auch bemerkt – wobei ich zugeben muß, dass ich eh erst in Zeiten der Digitalfotografie richtig eingestiegen bin und jetzt gehöre ich zu dieser verpöhnten Masse von EOS Besitzern aus der dreier Serie… (aber zumindest ohne Kit-Objektiv, ein wenig will ich mich dann doch abgrenzen 😉 )

  14. Sam schrieb:
    „…,aber ich hab am Wochenende eine Fotozeitschrift von 1982 in den Händen gehalten, und was da “gute Qualität” für eine Fotozeitschrift war, würde man heute als ziemlich flau ansehen.“
    Auch ein ganz wichtiger Aspekt, den man nicht außer Acht lassen sollte. Bedingt durch die heutige Technik und dem immer größerwerdenen Interesse von einer breiten Masse, steigt quasi auch automatisch der qualitative Anspruch bei Fotografien. Warum?
    Wie sollten sich sonst überhaupt noch Berufsfotografen von der Masse abheben? Ich befürchte ja schon, dass es nicht mehr lange dauert (wenn es nicht schon längst soweit ist), dass sich bald jeder als Fotograf bezeichnet!
    So wie sich heute bereits fünfjährige als Webdesigner bezeichnen…

  15. Wenn ich mir bei Flickr, Fotocommunity und Konsorten so einige Bilder reinziehe, komme ich vom Kopfschütteln einfach nicht raus, hier werden teilweise Bilder regelrecht gefeiert, die man einem Fotografen Lehrling im zweiten Jahr um die Ohren gehauen hätte. Und dann versuchen doch Firmen siehe Photoshelter 2 solche Bilder an Kunden zu verkaufen….
    Wie dem auch sei, es ist heute wesentlich leichter sich eine Semi- oder Profikamera nebst Objektive zu kaufen aber beim Buch über Grundlagen der Fotografie wird dann gespart, und das man dann auch im Foto-Forum nachfragen muss was denn eine Abblendtaste und eine Spiegelvorauslösung ist, lass ich mal aus. Irgendwie passt das nicht zusammen.

  16. Klar, Schrott gibts viel – ich schau mir den einfach nicht an, oder freu mich daran, dass ich es besser könnte (wenn ich wollte).

    Ich konzentrier mich halt lieber auf die Sachen, die ich schön finde.

  17. Ob in freier Wildbahn oder im Zoo fotografiert, ob direct-in-camera oder stundenlang photoshopped: ich wüßte es einfach nur gern.
    Ein aufwendig digital bearbeites Bild ist deswegen nicht besser oder schlechter als das Original-Dia. Ein Foto das weit weg von der Realität ist kann dennoch gefällig sein. Wenn mir die Zoo-Aufnahme als Schuss aus der Wildnis Afrikas verkauft wird bin ich allerdings stocksauer.

    Die Diskussion um Qualität / Müll (auch ein schönes Wort um die Arbeit anderer zu bewerten) finde ich müßig. Wer glaubt, irgendeine Institution würde ihr Maßband ausrollen, ein Foto dran messen und dann zu einer objektiven Bewertung von Qualität kommen, dem sei die Begriffsdefinition von Qualität in ISO 9000:2005 zur Lektüre empfohlen. Da bleibt dann nur die Frage: wer legt die Anforderung fest? Na wer wohl?

    Die Schönheit liegt wohl doch im Auge des Betrachters. Es wird ja wohl niemand gezungen hin zu schauen. Oder doch?

  18. Ich sehe das genau wie zoomyboy. Ich „Verfremde“ meine Bilder so wie ich das Bild gesehen habe oder am liebsten gesehen hätte. Dabei versuche ich aber doch dezent zu bleiben und möglichst wenig wegzuretuschieren. Deswegen konzentriere ich mich hauptsächlich auf Veränderung der Farb- und Lichtstimmungen.

    Was ich aber persönlich nicht mag sind Composings, in denen aus mehreren verschiedenen Bildern neue Bilder zusammengesetzt werden, die es niemals so in der Realität war. Es gibt zwar definitiv sehr schöne Composings und es ist auch natürlich eine eigene visuelle Ausdrucksmöglichkeit, doch Fotografie nenne ich das nicht mehr.

  19. Bei Composing Sachen wird ja für das Endziel Fotografiert, das ist wohl eher Fotodigitalisieren. Ich Persönlich versuche immer mehr die Zeit-Balance zu finden. D.h mit der Bildbearbeitung darf ich nie mehr Zeit verbringen als mit der Fotografie. Denn eigentlich Fotografiere ich des Fotografierens wegen, und nicht um dann Stunden vor Photoshop zu sitzen, nur manchmal – leider habe ich ein Bild Ziel vor Augen und ich verrenne mich, d.h ich bin meilenweit über das Ziel hinausgeschossen…:(

  20. Hallo,

    im Grunde rankt es sich doch alles um die Frage: Zu welchem Zweck fotografiere ich eigentlich?

    Ich denke, bei der Mehrzahl der „Hobbyfotografen“ wie mir geht es einfach darum, „schöne Bilder“ zu haben. Ob der persönliche Anspruch jetzt dahin geht, dass sie – mittels Photoshop – möglichst schön gemacht werden sollen, oder ob einfach perfekt fotografiert wird, ist dabei wohl nur Ermessenssache.

    Künstlerich ambitionierte Menschen, die sich nicht als Fotografen, sondern als Bildkünstler sehen (ob bewusst oder nicht, sei dahingestellt) wären schön blöd, wenn sie die Möglichkeiten, die Photoshop bietet, nicht nutzen würden. Werbefotografen, die ein Motiv so und so darstellen wollen, werden wohl auch nicht darum kommen. Denn das Ziel eines Bildes ist doch letztendlich, eine Botschaft zu vermitteln. Und wenn man das „per Hand“ nicht hinbekommt, diese Botschaft aber BRAUCHT (siehe Werbefotograf), dann is Photoshop sinnvoll. Ist die Botschaft dagegen eine möglichst objektive Wiedergabe eines Geschehens – dann braucht man kein Photoshop.

    Just my two cents

  21. Ich denke mir für den privaten Bereich gilt: „Erlaubt ist, was gefällt“.
    Die Frage nach der Authentizität eines Bildes stellt sich hingegen im dokumentarischen/journalistischen Bereich:kann/darf/soll der Schweißfleck einer Politikerin unter der Achsel wegretouchiert werden? Oder verändert dieser Eingriff die Bildaussage?

    Es gibt eine (wie ich finde sehr gute) Wanderausstellung darüber:
    „Bilder, die lügen“

  22. Einige Fotografen sind der Meinung das eine Arrangierte Szene zb. in der Dokumentar, Tier, Kriegsberichterstattung oder der Streetfotografie schon als Bildmanipulation oder als Verfremdung der Wirklichkeit gilt. Wo es aber wahrscheinlich auch auf das Bild selbst ankommt bzw. die Botschaft dahinter, oder?

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