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Profifotografen kommen zu Wort – Interview mit Olaf Bathke

Der fünfte und letzte Teil der Interview Serie: Profifotografen kommen zu Wort.

Interview mit Olaf Bathke

interview olaf bathke Heute möchte ich die Interview Serie: “Profifotografen kommen zu Wort” mit dem Interview des Profifotografen Olaf Bathke abschliessen. Naturfotografie, Milieuportrait, Reisejournalismus und künstlerischen Hochzeit Essays sind die Fotografischen Hauptthemen, die der aus Kiel stammende Fotograf Olaf Bathke behandelt.

1. Warum Fotograf und nicht Bäcker? Was war deine Motivation bzw. Antrieb um Fotograf zu werden?

Ich frage mich manchmal eher, was die Fotografie bewegte, mich zu finden…

2. Was ist für dich die Faszination Fotografie?

Ich bin ein ausgesprochen neugieriger Mensch. Und es gibt kaum ein Arbeitsfeld, in dem man so unterschiedliche Menschen kennenlernen und spannende Situationen erleben kann, wie in der Fotografie. Im Servicebereich reizt es mich, visuelle Strategien zu entwickeln und umzusetzen. In Bezug auf meine Freelance Arbeiten reizen mich meine Projektionen. Das Jahr, in dem meine Großmutter gestorben ist, hat andere Bilder zur Folge gehabt, als das Jahr in dem ich eine Familie gründete.

3. Durch die fallenden Digitalkamera Preise und die ständige Erhöhung der Megapixelanzahl und zb. Webseiten wie FlickR, versuchen nun auch viele Amateurfotografen ihre Bilder zu Verkaufen oder nebenbei zb. Hochzeiten und ähnliches zu Fotografieren. Siehst du darin Probleme für Profifotografen die davon Leben müssen?

Da ich weiß, wie sich meine Fotos verkaufen und ich auch eine gute Nachfrage verspüre, kann ich für mich behaupten: „Nein, ich fürchte diese Entwicklungen nicht!“ Es liegt allerdings auf der Hand, dass es Probleme für Fotografen geben kann, die nicht „Nein“ sagen, ob es nun Amateure oder Profis sind.

4. Hat sich deiner Meinung nach die Qualtität der Bilder durch die Digitalfotografie verändert?

Die technische Qualität eines Fotos wird m.E. in der digitalen Fotografie zu 20% von einer Kamera, zu 70% von den Objektiven und 10% von anderen technischen Geräten geprägt. Das relativiert schon mal den Einfluss digitaler Technik auf ein Foto. Betrachte ich mal ganz nüchtern die Vorteile einer digitalen Kamera, dann kann ich behaupten: Die digitale Kamera spart Zeit und gibt unmittelbare Feedbacks. Zeit spart sie, weil ich nicht so häufig einen Film wechseln muss. Chips fassen mehr Fotos als Film und die Lichtempfindlichkeit lässt sich bei einer digitalen Kamera per Knopfdruck ändern. Das unmittelbare Feedback einer digitalen Kamera scheint die meisten Fotografen nicht zu erreichen. Ich sehe sehr häufig Fotos, die mir einfach nicht gefallen oder mich gar stören. Wahrscheinlich hat auch das mit der digitalen Fotografie zu tun. Ich vermute, dass die digitale Welt den Technikwahn fördert. Eigentlich sollten die Menschen ja die gewonnene Zeit damit verbringen, sich auf die persönliche Weiterentwicklung ihrer Fotografie zu konzentrieren. Manchmal glaube ich, dass ich mehr Geld verdienen könnte, wenn ich eine Art Spamfilter für solche Fotos entwickeln würde. :-)

5. Spielt das Internet mit all seinen Begleiterscheinigungen eine Rolle für dich als Profifotograf? Wenn ja welche?

Ich kann effektiv kommunizieren. Ich kann meine Arbeiten leicht zugänglich präsentieren. Meine Arbeiten und Ideen werden geklaut.

6. Ist die Digitale Bildbearbeitung(Photoshop usw.) – Fluch oder Segen?

Ich kenne Fotografen, die nach ihrem Sprung in das digitale Zeitalter sehr fluchen. Früher gab es den Fuji Velvia. Den, oder einen anderen Film, hatte man halt benutzt. Man gab den Film vielleicht zu einem guten Entwickler und dann wurde das Ergebnis in einem Schuhkarton gelagert (Wie wir ja auch jüngst im Falle Cappa lesen konnten :-) ). Die digitale Postproduktion ist eine zeitfressende Angelegenheit und wenn man nüchtern nachrechnet, sehr teuer. Und mal ehrlich, wer flucht da nicht, wenn er hunderte Fotos entrauschen und sichern muss.
Ich reduziere das Ganze aufs Wesentliche, weil ich lieber fotografiere, als Bilder bearbeite. Allerdings, wenn ich bei der Bildbearbeitung en passant die Tasse Tee neben mir sehen und sicher greifen kann, dann hat das schon was für sich. :)

7. Fotografie zu Discountpreisen? Fotografen unterbieten sich bei Onlineplattformen beim Preis von zu vergebenen Fotoaufträgen, und ruinieren dadurch das Preisgefüge! Wie siehst du diese Entwicklung?

Das Ganze ist ein ernst zu nehmendes Problem…, …für einen Großteil der Fotografen, die da mitmachen. Ich glaube nicht, dass sich die Bilder von der Stange generell durchsetzen werden. Wenn Fotografen ihre Bilder unter einem enormen Konkurrenzdruck auf der Grundlage der Topseller ihrer Stockagentur produzieren, dann werden sich wieder andere Bedürfnisse entwickeln. Wahrscheinlich wird das Überangebot eher die Nachfrage nach Qualität stärken. Die Kommunikation zwischen Kunde und Fotografen wird wieder entdeckt werden, da bin ich mir sicher. Bis dahin kann man natürlich mit einer guten Strategie und einer gehörigen Portion Effektivität den Markt erfolgreich bedienen. Ich hatte letztens eine Kundin, die sich eben von diesen Fotos abheben wollte. Wer kann heute noch sagen, dass Fotos der Marke, hübsche Frau mit Headset auf dem Kopf, Kaffetasse in der einen Hand und Laptop vor sich stehend, noch ein Hingucker ist. Wir entwickelten eine einfache und wirkungsvolle Bildidee und ihre Werbestrategie war dadurch erfolgreich.

8. Welche drei Tips würdest du einen Einsteiger in die Professionelle Fotografie mitgeben?

Weniger Zeit im Internet verbringen! Sich vor dem Auslösen die Frage stellen: Was fotografiere ich da jetzt und warum fotografiere ich das!? Auch mal „Nein“ sagen!

9. Wie wichtig ist die Ausrüstung für dich als Profifotograf?

Ausrüstung erlaubt mir Spielräume für meine Visionen. Manchmal beschränke ich mich allerdings, da ich das „Wenige“ zu schätzen weiß. Nicht nur, wenn ich auf einen 1200 Meter hohen Berg klettere.

10. Spielt die Analoge Fotografie (Film) für dich noch eine Rolle?

Keine Rolle, außer der Kunde fordert das ein.

11. Die Einsame Insel Frage! Welches Fotografie Equipment würdest du auf eine Einsame Insel mitnehmen?

Nichts, ich würde einfach mal Urlaub machen.

12. Wo sind deine Kernkompetenzen-Themen in der Fotografie?

In der Portraitfotografie wird meine Vielseitigkeit geschätzt. Auf meinen Reisen habe ich meistens mehr Lust, Landschaft zu fotografieren, als Menschen.

13. Gibst du dein Fachwissen in irgend einer Form weiter?

Auf OlafBathke.de wurde von Anfang an gebloggt, also ca. seit 2004. Gebloggt wird über Themen, die mich selber beschäftigen. Mit den Jahren habe ich immer mal wieder was rausgeschmissen und die Seite überarbeitet.
Schreiben und Kommunizieren bringt Klarheit. Warum also solche Klarheit nicht mit anderen Menschen teilen!? Durch unterschiedlichste Rückmeldungen habe ich immer wieder neuen Input für meine eigene Weiterentwicklung bekommen. „Sharing“ heißt das Neudeutsch. Wer in meinem Blog lesen möchte, welchen Regler man in Photoshop betätigen muss, um einen bestimmten Effekt zu erzielen, der wird enttäuscht sein. Solche Themen langweilen mich, da können andere drüber schreiben. Mich fasziniert, wie Bilder entstehen. In meinem Blog geht es um Themen, die mich wirklich beschäftigen. Ich finde es viel spannender, was in einem Fotografen vor sich geht, wenn er auf den Auslöser drückt, als zu erfahren, was für ein Objektiv er dabei vorgeschraubt hat.

14. Ist die Anzahl der Megapixel bzw. Vollformat oder Crop für dich als Profifotograf relevant?

Ich arbeite immer am Limit von dem was ich wirklich benötige. Alles andere ist unwirtschaftlich. Folgender fotografische Leitsatz wirkt manchmal generell: Weniger ist mehr! Und was Crop Fotos angeht, die beklemmen mich meist.

15. Mit welcher Brennweite Objektiv machst du deine meisten Aufnahmen?

85mm

Vielen Dank für das Interview.

Gerne wieder

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